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ALMA führt erste Beobachtungen mit sehr langen Basislinien durch

5. März 2015

ALMA, das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array, hat erfolgreich seine enorme Sammelfläche und Sensitivität mit dem von APEX (Atacama Pathfinder Experiment) vereinigt, wodurch ein neues Instrument über die sogenannte Very Long Baseline-Interferometrie (VLBI) entsteht.

Größere Teleskope können schärfere Beobachtungen durchführen, und die Interferometrie ermöglicht es mehreren Teleskopen so zusammenzuarbeiten, als würde es sich um ein einziges Teleskop von der Größe des Abstands der einzelnen Teleskope — auch Basislinie genannt — handeln. Bei der VLBI werden die Daten von zwei eigenständigen Teleskopen vereint, so dass ein virtuelles Teleskop entsteht, dessen Größe der geografischen Distanz zwischen den beiden entspricht — potenziell bis zum Durchmesser der Erde — wodurch eine herausragende Vergrößerung erreicht werden kann.

Ein wichtiger Zwischenschritt ist es hierbei, die Technik für kurze Basislinien zu testen. Am 13. Januar 2015 haben ALMA und das daneben angesiedelte APEX-Teleskop gleichzeitig den Quasar 0522-364 untersucht. Diese entfernte Galaxie wurde für diese erste Beobachtung solcher Art aufgrund ihrer bemerkenswerten Helligkeit im Radiowellen-Bereich ausgewählt.

Um die Synchronisation der beiden Teleskope zu überprüfen, wurde bei ALMA der neu installierte und höchst präzise Atomuhr-zu-Zeit-Code für die Daten bei der Aufnahme verwendet. Eine sehr genaue Zeit ist wichtig für VLBI, weil dadurch die präzise Zuordnung von Daten erst möglich wird, die an unterschiedlichen geografischen Orten und an verschiedenen Teleskopen aufgenommen wurden. Die Analyse der Daten, die kürzlich abgeschlossen wurde, hat bestätigt, dass das System korrekt gearbeitet hat und die ALMA-Atomuhr genau genug für VLBI ist.

Diese erste erfolgreiche Beobachtung mit VLBI bei ALMA fand bei einer Basislinie von 2,1 km statt und war ein Test für das geplante Event Horizon Telescope, das ein globales Netzwerk von Teleskopen beinhalten wird, die im Bereich von Millimeterwellenlängen arbeiten. Wenn das Teleskop vollständig ist — mit ALMA als größtem und empfindlichstem Standort — wird ein erdballgroßes Teleskop mit einer Vergrößerungsleistung entstehen, die notwendig ist, um Details am Rand vom supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße erkennen zu können.

Weitere Informationen

Die neuesten Arbeiten wurden von einem Team durchgeführt, das aus Mitgliedern vom ALMA Phasing Project (APP), dem Joint ALMA Observatory (JAO), dem Smithsonian Astrophysical Observatory und dem APEX-Teleskop bestand.

Das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) ist eine internationale astronomische Einrichtung, die gemeinsam von der ESO, der US-amerikanischen National Science Foundation (NSF) der USA und den japanischen National Institutes of Natural Sciences (NINS) in Kooperation mit der republik Chile betrieben wird. Getragen wird ALMA von der ESO im Namen ihrer Mitgliedsländer, von der NSF in Zusammenarbeit mit dem kanadischen National Research Council (NRC), dem taiwanesischen National Science Council (NSC) und NINS in Kooperation mit der Academia Sinica (AS) in Taiwan sowie dem Korea Astronomy and Space Science Institute (KASI).

Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb agiert die ESO für ihre Mitgliedsländer, das National Radio Astronomy Observatory (NRAO), das seinerseits von Associated Universities, Inc. (AUI) betrieben wird, für den nordamerikanischen Beitrag und das National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ) für den ostasiatischen Beitrag. Dem Joint ALMA Observatory (JAO) obliegt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

APEX ist eine Zusammenarbeit des Max Planck Instituts für Radio Astronomy (MPIfR, 50%), dem Onsala Space Observatory (OSO, 23%) und der ESO (27%). Das Teleskop wird von der ESO betrieben.

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ESO Public Information Officer
Garching bei München
Tel: +49 89 3200 6655
E-Mail: rhook@eso.org

Charles E. Blue
Public Information Officer
National Radio Astronomy Observatory
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