Das Very Large Telescope

Das fortschrittlichste optische Observatorium der Welt

The ESO Very Large ArrayDas Very Large Telescope (VLT) ist das Flaggschiff der europäischen bodengebundenen Astronomie und das höchstentwickelte optische Instrument der Welt. Es besteht aus vier Hauptteleskopen mit je 8,2 Metern Spiegeldurchmesser und vier beweglichen 1,8m-Hilfsteleskopen. Die Einzelteleskope können zu einem gigantischen Interferometer zusammengeschaltet werden, dem VLT-Interferometer (VLTI). Mit dem VLTI lassen sich am Himmel 25 Mal feinere Details auseinanderhalten als mit jedem einzelnen der Hauptteleskope. Dazu muss das Licht der Teleskope allerdings über ein komplexes unterirdisches Spiegelsystem so zusammengefügt werden, dass sich die Weglängen der einzelnen Lichtanteile auf 100 Metern um nicht mehr als einen Tausendstel Millimeter unterscheiden. Doch die Präzision lohnt sich: mit dem VLTI lassen sich Aufnahmen mit einer Winkelauflösung von Tausendstel Bogensekunden erstellen. Anders ausgedrückt: Auf diesen Aufnahmen könnte man von der Erde aus die zwei Scheinwerfer eines Autos unterscheiden, das sich auf dem Mond befindet.

Die 8,2-Meter-Hauptteleskope können auch als Einzelteleskope genutzt werden. Jedes davon kann bei einer Belichtungszeit von einer Stunde Bilder von Himmelsobjekten dreißigster Größe aufnehmen – das sind Objekte, die vier Milliarden mal schwächer leuchten als alles, was das menschliche Auge noch ohne Hilfsmittel wahrnehmen kann.

Die Hauptteleskope tragen die Namen Antu, Kueyen, Melipal und Yepun – in der Sprache des Mapuche-Volkes sind das die Bezeichungen für die Sonne, den Mond, das Sternbild Kreuz des Südens und die Venus als Abendstern.

Detaillierte Hintergrundinformationen liefert – allerdings in englischer Sprache – das VLT-Weißbuch. Es wurde in der Entwicklungsphase des VLT und bis zu den ersten Beobachtungen im Mai 1998 regelmäßig aktualisiert.

Teleskope und Beobachtungsinstrumente

In der modernen Astronomie ist das Teleskop selbst nur ein Teil der Beobachtungsmaschinerie. Ebenso wichtig sind die daran angeschlossenen Instrumente, die das gesammelte Licht "weiterverarbeiten" und auswerten. Die am Very Large Telescope eingesetzen Instrumente bilden zusammen eine der umfangreichsten Ausstattungen, die je für ein einziges Observatorien erstellt wurde. Am VLT kommen elektronische Kameras mit extra weitem Blickfeld zum Einsatz sowie Kameras und Spektrografen, bei denen atmosphärische Störungen (das Funkeln der Sterne) durch so genannte Adaptive Optik ausgeglichen wird, außerdem Spektrografen mit hoher Auflösung und solche, die gleichzeitig das Spektrum mehrerer Objekte aufnehmen können. Die vorhandenen Instrumente decken dabei einen breiten Bereich des elektromagnetischen Spektrums ab, der von Ultraviolettlicht (ab einer Wellenlänge von 300 Nanometern) bis in den mittleren Infrarotbereich (bis zu einer Wellenlänge von 24 µm) reicht.

Die Hauptteleskope

Die 8,2-Meter-Hauptteleskope sind in kompakten Gebäuden untergebracht, die zusammen mit dem Teleskop mitgedreht werden. Die Gebäude sind so ausgelegt, dass Störungen des Beobachtungsbetriebs so weit wie möglich vermieden werden. So führt beispielsweise die sorgfältige Regulierung der Innentemperatur der Gebäude dazu, dass Luftverwirbelungen über den Teleskopspiegel, wie sie durch Temperaturunterschiede zwischen der Teleskopanlage einerseits und der Nachtluft andererseits entstehen, vermieden werden.

Das erste der Hauptteleskope, "Antu", nahm am 1. April 1999 den wissenschaftlichen Beobachtungsbetrieb auf. Seither konnte mit den VLT-Teleskopen eine Vielzahl wichtiger astronomischer Beobachtungsergebnisse gewonnen werden.

The ESO Very Large Array
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Für die Astronomie hat das VLT eine neue Ära spannender Entdeckungen eingeläutet. Dazu zählen die erste Aufnahme eines Exoplaneten, die Bestimmung der Bahndaten für die Sterne, die um das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße kreisen, und Beobachtungen des Nachglühens des entferntesten bislang bekannten Gammastrahlen-Ausbruchs. In Zahlen ist das VLT mit im Schnitt pro Tag mehr als einer Fachveröffentlichung (gezählt werden nur Zeitschriften mit Peer-Review) das wissenschaftlich produktivste irdische Observatorium.

Die Hilfsteleskope

Die vier 8,2m-Hauptteleskope sind zwar als Teil des VLT-Interferometers einsetzbar, werden aber in der Regel als Einzelteleskope genutzt und stehen daher nur für eine begrenzte Anzahl von Nächten für interferometrische Beobachtungen zur Verfügung. Dank vier kleinerer Hilfsteleskope, die speziell für den Interferometerbetrieb vorgesehen sind, kann das VLTI trotzdem jede Nacht genutzt werden.

Der obere Teil jedes Hilfsteleskops ist ein abgerundeter Schutzbau, der aus je zwei Sätzen von je drei Segmenten besteht, die sich öffnen und schließen. Seine Aufgabe ist der Schutz des 1,8-Meter-Teleskops im Inneren vor den rauhen Wüstenbedingungen. Der Schutzbau sitzt auf einer kastenförmigen Transportsektion auf, die außerdem Schaltschränke, flüssigkeitsbasierte Kühlsysteme, Klimaanlagen, eine Stromversorguing und weitere Technik enthält. Während astronomischer Beobachtungen sind Schutzbau und Transporteinheit mechanisch vom Teleskop entkoppelt, um sicherzustellen, dass die gewonnenen Daten nicht durch Schwingungen beeinträchtigt werden.

Die Transporteinheiten laufen auf Schienen, auf denen die Hilfsteleskope an 30 verschiedene Beobachtungspositionen verschoben werden können.Da das VLT-Interferometer sich eher wie ein einzelnes Teleskop verhält als wie eine Anordnung mehrerer Teleskope, lässt sich das VLTI durch die Änderung der Positionen der Hilfsteleskope den notwendigen Gegebenheiten jedes Beobachtungsprojektes anpassen, 

Das Gästehaus des Paranal-Observatoriums, die Residencia, ist ein preisgekröntes Gebäude. Dort fanden einige der Dreharbeiten für den James-Bond-Film "Ein Quantum Trost" statt.

Ausführliche Informationen mit technischen Details befinden sich auf den wissenschaftlichen Seiten (auf englisch). Weitere Bilder und Videos stehen im ESO–Multimedia–Archiv im englischsprachigen Bereich des Webportals zur Verfügung.

Kurzvideo zum VLT (Text auf Englisch)

Das VLT auf Google Maps