eso1201de-be — Bildveröffentlichung

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Rauchschwaden im Herzen des Omeganebels

4. Januar 2012

Dieses neue Bild des Omeganebels, aufgenommen mit dem Very Large Telescope der ESO, zählt zu den schärfsten, die jemals von diesem Objekt vom Erdboden aus aufgenommen wurden. Es zeigt den staubreichen, rosafarbenen Zentralbereich dieses bekannten Sternentstehungsgebietes und enthüllt dabei die Detailfülle einer kosmischen Landschaft aus Gaswolken, Staub und jungen Sternen.

Die farbenfrohen Gas- und Staubmassen des Omeganebels sind Ausgangsmaterial für die Entstehung einer neuen Sterngeneration. In dem hier gezeigten Ausschnitt des Nebels erleuchten die jüngsten Sterne die Szenerie mit ihrem hellen, weißlich-blauen Licht. Wie Rauchschwaden durchziehen die Silhouetten dunkler Staubbänder das glühende Gas. Die rötlichen Farbtöne der ausgedehnten Nebelwolke, die die Bildkomposition dominieren, stammen von Wasserstoffgas, das von der intensiven Ultraviolettstrahlung der heißen, jungen Sterne zum Leuchten angeregt wird.

Der Omeganebel hat viele Namen, je nachdem was verschiedene Beobachter in der Form des Nebels zu erkennen glaubten: einen Schwan, ein Hufeisen und sogar einen Hummer. Der Nebel wurde unter anderem unter den Bezeichnungen Messier 17 (M17) und NGC 6618 katalogisiert. Er befindet sich in einer Entfernung von 5000 bis 6000 Lichtjahren im Sternbild Schütze. Weil es sich bei den ausgedehnten, hell erleuchteten Gas- und Staubwolken des Omeganebels um eines der jüngsten und gleichzeitig aktivsten Sternentstehungsgebiete in der Milchstraße handelt, ist er für Astronomen ein begehrtes Beobachtungsziel..

Die Aufnahme entstand mit dem FORS-Instrument an Antu, einem der vier Hauptteleskope des Very Large Telescope. Die Lichtsammelfähigkeit des großen Teleskops und außergewöhnlich ruhige Luft während der Beobachtung wirken optimal zusammen, so dass trotz durchziehender Wolken ein gestochen scharfes Bild entstanden ist [1]. Die Aufnahme gehört zu den besten, die jemals vom Erdboden aus von diesem Bereich des Omeganebels aufgenommen wurden. Sie ist eine der ersten, die im Rahmen des "Cosmic Gems"-Programms der ESO entstanden sind [2].

Endnoten

[1] Mit dem Begriff Luftunruhe, auch Seeing genannt, beschreiben Astronomen den störenden Einfluss der Erdatmosphäre auf ihre Beobachtungen. Ein typisches Maß für das Seeing ist der Durchmesser von Sternscheibchen im Teleskop. Der Omeganebel wurde in einer Nacht mit einem sehr guten Seeing von nur 0,45 Bogensekunden aufgenommen. Das Bild entstand also mit nur wenig Flimmern und ist daher besonders scharf.

[2] Das Cosmic Gems-Programm (wörtlich „kosmische Edelsteine“) ist eine ESO-Initiative zur Erstellung von astronomischen Aufnahmen für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Programm nutzt hauptsächlich Zeiten, während derer die Beobachtungsbedingungen nicht den strengen Ansprüchen wissenschaftlicher Beobachtungsarbeit genügt, um Bilder von interessanten, faszinierenden oder von Himmelsobjekten anzufertigen, die einfach schön anzusehen sind. Die Bilddaten sind anschließend im wissenschaftlichen Archiv der ESO für jedermann zugänglich. Auch professionelle Astronomen können sie für ihre Zwecke nutzen.

Weitere Informationen

Der FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (kurz FORS, wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") ist das vielseitigste Instrument des Very Large Telescope. Die Kombination aus astronomischer Kamera und Spektrograf wurde gemeinsam von den Universitätssternwarten in Heidelberg, Göttingen und München und der ESO entwickelt und gebaut.

Im Jahr 2012 feiert die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) das 50-jährige Jubiläum ihrer Gründung. Die ESO ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop der 40-Meter-Klasse für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird, das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

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Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1201.
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Über die Pressemitteilung

Pressemitteilung Nr.:eso1201de-be
Name:M 17, Messier 17, NGC 6618, Omega Nebula
Facility:Very Large Telescope

Bilder

Rauchschwaden im Herzen des Omeganebels
Rauchschwaden im Herzen des Omeganebels

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Zoom auf den Omeganebel
Zoom auf den Omeganebel

Siehe auch