Wissenschaftliches Archiv

Wissenschaftsarchiv

Alle Daten der ESO-Teleskope und des Weltraumteleskops Hubble werden im Wissenschaftsarchiv der ESO gespeichert und den wissenschaftlichen Benutzern zugänglich gemacht.

Archive Operations RoomInsgesamt werden dabei pro Jahr rund 12 Terabyte an öffentlichen Daten aus dem ESO-Archiv verschickt, veranlasst durch rund 10.000 Web-Anfragen. Zusätzlich werden mehr als 2.000 CDs und DVDs mit nicht öffentlich zugänglichen Daten verschickt – Astronomen, die an den ESO-Teleskopen beobachten, erhalten für einen begrenzten Zeitraum exklusiven Zugriff auf ihre Beobachtungsdaten; erst anschließend werden diese Daten für die Öffentlichkeit freigegeben.

Die gesamte zurzeit gespeicherte Datenmenge beträgt rund 65 Terabyte, was etwa 14.000 DVDs entspricht. Sie wächst jährlich um weitere 15 TB an, ein Wachstum, das sich bald drastisch erhöhen wird: alleine die Durchmusterungskamera VISTA wird jedes Jahr rund 150 TB an Daten aufnehmen.

Die Server hinter dem Datenbankarchiv der ESO werden zwischen Deutschland und Chile koordiniert. Ihre Technologie und Komplexität entspricht jener der Server großer Unternehmen, etwa internationaler Bankenkonsortien.

Das digitale Universum

Aufgrund revolutionärer neuer Entwicklungen in der in der Teleskop-, Detektor- und Computertechnologie fallen bei aktuellen Himmelsdurchmusterungen riesige Mengen an Abbildungen, Spektren und Katalogdaten an. Solche Datensätze existieren für den ganzen Himmel, in allen Wellenlängenbereichen, von Gamma- zu Röntgenstrahlen, über sichtbares und Radiolicht bis in den Radiobereich.

Zusammengenommen bilden diese Datensätze ein "digitales Universum", in dem, wie im tatsächlichen Universum, unverhoffte Entdeckungen möglich sind. Eine wichtige Aufgabe der modernen Astronomie besteht darin, die riesigen Datenmengen dieses digitalen Universums für die Forschung nutzbar zu machen. Zu diesem Zweck haben Astronomen neue Auswertungsmethoden entwickelt, die auf so genannten GRIDs basieren – der nahtlosen und transparenten Vernetzung von Computern zu einem "Virtuellen Observatorium", das direkten Zugang zu den astronomischen Daten erlaubt. Den verschiedenen Teleskopen herkömmlicher Observatorien mit ihren Kameras und Detektoren entsprechen dabei Datenzentren, jedes mit einer einzigartigen Auswahl astronomischer Daten, Software und Datenverarbeitungssystemen.

Diese globale Gemeinschaftsprojekt steht unter der Schirmherrschaft der Internationalen Allianz Virtueller Observatorien (IVOA). Zu den Entdeckungen, die bislang im digitalen Universum gelungen sind, gehört der Nachweis von 31 neuen, verdunkelten Quasarkandidaten, die im sichtbaren Licht nur relativ schwach leuchten. Sie wurden in den Daten des Great Observatories Origins Deep Survey (GOODS) gefunden – wodurch sich die Zahl der bekannten Objekte dieser Art vervierfacht hat! Die Entdeckung hat weitreichende Konsequenzen: Sie zeigt, dass die Anzahl der supermassereichen Schwarzen Löcher bislang insgesamt unterschätzt worden sein dürfte. Es dürfte mindestens doppelt so viele, vielleicht sogar fünf Mal soviele supermassereiche Schwarze Löcher geben, als bis dahin angenommen (eso0418).