Bild der Woche 2012

26. März 2012

Wären Sie gerne hier?

Der französische Fotograf Serge Brunier – einer der Foto-Botschafter der ESO – hat dieses unvergleichliche 360°-Panorama der Chajnantor-Hochebene in der Atacama-Wüste aufgenommen, dort wo das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array gebaut wird.

Die Panorama-Projektion erzeugt eine leichte Verzerrung der ALMA-Antennen, gibt aber immer noch den Eindruck der Umgebung wieder, wenn man in der Mitte dieses eindrucksvollen Observatoriums stehen würde. Die 360°-Ansicht zeigt auch die völlige Isolation der Chajnantor-Hochebene; auf einer Höhe von 5000 Metern ist die Kulisse bis auf ein paar Berggipfel und Hügel karg.

Obwohl die Konstruktion eines so anspruchsvollen Teleskopes in einer derart abgelegenen und rauhen Umgebung eine Herausforderung darstellt, ist die extreme Höhenlage der perfekt für Submillimeter-Astronomie. Wasserdampf in der Erdatmosphäre absorbiert diese Strahlung, aber die Luft ist in großen Höhen wie auf der Chajnantor-Hochebene extrem trocken.

ALMA hat die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen am 30. September 2011 mit einem Teil des Antennenfeldes begonnen. Nach der Fertigstellung des Observatoriums werden die beeindruckenden fünfzig 12-Meter Antennen – wie auch das kleinere Feld von vier 12-Meter Antennen und zwölf 7-Meter Antennen, bezeichnet als Atacama Compact Array (ACA) – die abgelegene Landschaft etwas weniger karg erscheinen lassen. Zwischenzeitlich dokumentieren Fotografien wie diese den Entwicklungsfortschritt einer neuen Weltklasse von Teleskop-Anlagen.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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19. März 2012

Das VLT auf „Löwenjagd“

Das Very Large Telescope hat ein weiteres Mitglied der Galaxiengruppe Leo I im Sternbild des Löwen „erbeutet“. Die Galaxie Messier 95 steht beeindruckend in fast senkrechter Ansicht und bietet einen idealen Blick auf ihre Spiralstruktur. Die Spiralarme formen einen fast perfekten Kreis um das galaktische Zentrum und sprießen dann wie eine Löwenmähne nach außen, ein Effekt auf den jeder Löwe stolz sein könnte.

Ein weiteres Charakteristikum von Messier 95, vielleicht sogar noch auffälliger, ist das leuchtend goldene Zentrum. Es enthält einen durch Kernprozesse geformten Ring von Sternen mit fast 2000 Lichtjahren Durchmesser, in dem große Anteile der galaktischen Sternbildung ablaufen. Dieses Phänomen tritt meistens in Balkenspiralgalaxien wie in Messier 95 oder unserer Heimatgalaxie, der Milchstrasse, auf.

In der Leo I-Gruppe wird Messier 95 durch ihre Schwestergalaxie Messier 96 überstrahlt. Messier 96 ist tatsächlich das hellste Mitglied der Gruppe und gibt – als „Führer des Rudels“ – mit Leo I den alternativen Namen für die M96 Gruppe. Gleichwohl zeigt auch Messier 95 ein spektakuläres Bild.

Aktuell: Am 16. März wurde in Messier 95 eine Supernova entdeckt, Details dazu finden sich hier. Das Bild wurde allerdings vor dem Auftreten der Supernova aufgenommen und zeigt sie daher nicht. Die Galaxie und ihre Supernova bieten sich allerdings derzeit als Beobachtungsobjekt für Amateurteleskope an, beide stehen in der Nähe des hellen Planeten Mars am Frühlingssternhimmel.


12. März 2012

Ein zarter Schleier von Schnee in der Atacama-Wüste

Die Kuppeln vom Very Large Telescope der ESO auf der Spitze des Cerro Paranal nehmen ein Bad im Sonnenlicht eines weiteren herrlichen wolkenlosen Tages. Aber etwas ist anders auf diesem Bild: Eine dünne Schneeschicht hat sich über die Wüstenlandschaft gelegt. Soetwas sieht man hier nicht jeden Tag. Eigentlich ist das genaue Gegenteil üblich, da die Atacama Wüste nahezu keinen Niederschlag kennt.

Mehrere Faktoren sind für die trockenen Bedingungen in der Atacama verantwortlich. Die Bergkette der Anden verhindert Regenfälle aus dem Osten und die chilenische Küstenregion aus dem Westen. Der kalte Humboldt-Strom im Pazifik erzeugt eine Inversionsschicht von kalter Luft, womit Regenwolken nicht entstehen können. Ein Hochdruckgebiet im südöstlichen Pazifik erzeugt rotierende Windfelder, die einen Antizyklon bilden. Auch dieser Mechanismus hilft dabei, die Atacama trocken zu halten. Dank all dieser Faktoren gilt die Region als der trockenste Ort auf dieser Erde!

Auf dem Paranal sind wenige Millimeter Niederschlagsmenge pro Jahr üblich, mit einer Luftfeuchtigkeit unter 10% und Temperaturen im Bereich von -8 bis 25°C. Die trockenen Bedingungen in der Atacama-Wüste waren für die ESO einer der hauptsächlichen Gründe auf dem Paranal das Very Large Telescope zu stationieren. Gelegentlich werden die trockenen Bedingungen von Schneefällen unterbrochen und produzieren ungewöhnliche Bilder von seltener Schönheit.

Das Bild wurde am 1. August 2011 von ESO-Foto-Botschafter Stéphane Guisard aufgenommen.

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5. März 2012

Ein Blick in die Vergangenheit – La Sillas Verwandlung im Laufe der Zeit

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Hier sieht man zwei Aufnahmen von La Silla vom Juni 1968 und aus der heutigen Zeit, die in der Nähe der beiden Wassertanks des Observatoriums aufgenommen wurden und den Rest der Anlage zeigen. Die Veränderungen kann man leicht sichtbar machen, wenn man mit der Maus die Trennlinie im Bild verschiebt.

Im Vordergrund des historischen Bildes erkennt man die provisorische Wohnsiedlung, im Hintergrund folgen von links nach rechts drei Teleskope: das Grand Prism Objectif, das 1-Meter-Teleskop und 1,5-Meter-Teleskop der ESO. Alle hatten 1968 Ihr „erstes Licht“ oder First Light“. Diese drei Teleskope waren die ersten auf La Silla. Die weiße Kuppel, die am dichtesten am Betrachter liegt, gehört zum 1-Meter-Schmidteleskop der ESO, das 1971 seine ersten Beobachtungen durchgeführt hat.

Heute sind alle vier Kuppeln noch vorhanden, der Betrieb der ersten drei Teleskope wurde aber mittlerweile eingestellt. Das 1-Meter-Schmidteleskop ist noch in Betrieb, es wird mittlerweile ausschließlich für den QUEST Variable Survey (siehe Bild der Woche potw1201a) genutzt.

Auf dem aktuellen Bild sind zwei neue Teleskope sichtbar. Die silberne Kuppel gehört zum MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop, das seit Anfang 1984 als Dauerleihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO in Betrieb ist. Links im Hintergrund befindet sich das dänische 1,54-Meter-Teleskop, das seit 1979 in Betrieb ist, eines von mehreren nationalen Teleskopen auf La Silla.

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27. Februar 2012

Ein Teleskop nimmt Fahrt auf

Die dynamische Bewegung vom Very Large Telescope der  ESO ist in dieser ungewöhnlichen Aufnahme wiedergegeben, die kurz nach Sonnenuntergang beim „Arbeitsbegin“ des Hauptteleskopes 1 belichtet wurde. Mit einer Belichtungszeit von 26 Sekunden konnte ESO-Fotobotschafter Gerhard Hüdepohl die Bewegung des Schutzbaus durch die freie Öffnung nach außen blickend einfangen, während das System in Aktion ist. Der rotierende Schutzbau ähnelt einem himmlischen Wirbel, der durch die Rotation immer neue Ansichten auf die Atacamawüste freigibt. Die anbrechende Dämmerung trägt einem Spritzer Blau bei.

Das im Zentrum sichtbare Teleskop hat einen Spiegel mit 8,2 Metern Durchmesser, der entwickelt wurde, um Licht aus den fernsten Regionen unseres Universums zu sammeln. Der Schutzbau ist ein weiteres technisches Wunderwerk, seine Bewegung findet mit extremer Präzision statt. Seine  Aufgabe ist auch die präzise Kontrolle der Temperatur, damit warme Luft nicht zu Beobachtungunterbrechungen führt.

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20. Februar 2012

Wanderung auf den Cerro Paranal

Die Anlagen des Paranal-Observatoriums der ESO,wie beispielsweise die Residencia, geben den dort arbeitenden Menschen einen willkommenen Unterschlupf vor der unwirtlichen Umgebung. Trotz allem bieten sie interessante Möglichkeiten für jene, die die karge und stille Schönheit der Atacamawüste genießen wollen.

Darunter ist auch der “Star Track” oder “Sternenpfad”, ein Fußweg, der die Residencia mit der Plattform des Very Large Telescopes verbindet. Er verläuft bis zum Gipfel des 2600m hohen Cerro Paranal. Der Wanderweg wurde 2001 erbaut, hat eine Länge von ca. 2 km und überwindet eine Höhendifferenz von 200m. Der letzte Teil des Weges windet sich die Westseite der Berges hinauf und bietet unvergleichliche Aussichtspunkte.

Dieses 360°-Panorama zeigt im Mittelteil nach Norden, somit ist die rechte und linke Bildseite nach Süden weisend ausgerichtet. Nach Norden ist der Kontrollraum des VLT und eines der Schutzgebäude des VLTs gerade noch über einem kleinen Hügel erkennbar, der die meisten Anlageteile des VLTs verdeckt. Nach Westen bedecken Wolken den Pazifik, der gerade mal 12 km entfernt liegt. In östlicher Richtung erkennt man die Fassade und die Kuppel der Residencia.

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13. Februar 2012

Zum Valentinstag: Das Herz der Milchstraße

Viele Menschen lieben die Astronomie – und angesichts des bevorstehenden Valentinstags zeigt uns Julien Girard mit dieser Aufnahme, dass dies im wahrsten Sinne des Wortes von Herzen kommt. Ein helles, pinkes Symbol der Liebe scheint darauf vor dem Hintergrund des Nachthimmels am Paranal-Observatorium der ESO im Norden Chiles. Girard zeichnete das Herz während der 25-sekündigen Belichtung, während der die Kamera auf einem Stativ befestigt war, mit einer kleinen Taschenlampe in die Luft, die er an seinem Schlüsselband hatte.

Die Milchstraße erstreckt sich über das gesamte Bild, und im Inneren des Herzens steht das Zentrum der Galaxis. Die Sterne des Sternbilds Corona Australis (die südliche Krone) bilden einen Bogen aus funkelnden Juwelen über dem linken Teil des Herzes. Das diffuse Leuchten links von der Spitze des Herzes ist das Zodiakallicht, das durch Sonnenlicht verursacht wird, das von Staubteilchen in der Ebene unseres Sonnensystems gestreut wird.

Rechts unten am Horizont sieht man die Silhouetten der 8,2-Meter-Teleskope des Very Large Telescope (VLT) der ESOauf dem Gipfel des Cerro Paranal. Die Lichter eines Autos, das von der Observatoriumsplattform zurückfährt, sind links neben den Teleskopen zu sehen.

Julien Girard ist Astronom bei der ESO in Chile und arbeitet am VLT. Er ist verantwortlich für das  NACO-Instrument mit adaptiver Optik an Hauptteleskop Nr. 4. Dieses Foto hat er bei der "Your ESO Pictures"-Flickrgruppe eingereicht, wo es für das Bild der Woche ausgewählt wurde.

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6. Februar 2012

Eine Fahrt durch die Zeit - wie sich Teleskope und Autos auf La Silla verändert haben

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Diese beiden Fotografien zeigen das La Silla-Observatorium jeweils in den späten 60er Jahren und heute. Im Vergleichsbild lassen sich die Unterschiede direkt mit dem Schiebebalken erkunden. Die Teleskope sind dabei nicht die einzigen Dinge, die sich geändert haben, auch die Fahrzeuge auf den Bildern demonstrieren den Lauf der Zeit. Der Volkswagen 1600 Variant auf dem ersten Bild ist mittlerweile durch einen Suzuki 4WD ersetzt worden, wie man ihn auf dem zweiten Bild sieht. Heutzutage sind alle ESO-Fahrzeuge auf La Silla weiß, damit sie während der Nacht besser sichtbar sind.

In der Bildmitte der historischen Aufnahmen sieht man das 1-Meter-Schmidtteleskop der ESO, das 1971 seinen Betrieb aufgenommen hat, noch alleine stehen. Zur damaligen Zeit wurde es in Kombination mit Glasfotoplatten verwendet, die Großfeldaufnahmen des Südhimmels mit einem Gesichtsfelddurchmesser von vier Grad entstehen ließen – groß genug also, um den Vollmond 64 Mal abzudecken. Die Hütten, die sich auf der rechten Seite des Bildes an der Straße entlangreihen, dienten den Astronomen als Schlafstätte.

Spult man die Zeit zum Jahr 2011 vor, tauchen zwei weitere Teleskope auf. Auf der linken Seite sieht man das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop, das seit 1984 in Benutzung ist. Tatsächlich ist das Vorhandensein des entsprechenden Gebäudes der Grund dafür, dass das aktuelle Bild nicht exakt von derselben Stelle aufgenommen werden konnte wie die historische Aufnahme. Rechts auf dem Berggipfel befindet sich das New Technology Telescope (NTT), das Ende 1989 mit ersten Testbeobachtungen begonnen hat. Beide Teleskope haben im Lauf der Zeit viele Erfolge erzielt und befinden sich nach wie vor in Betrieb. Nur die Schlafhütten der Astronomen wurden mittlerweile durch ein komfortableres “Hotel” am Rand des Observatoriums ersetzt.

Die alte Plattenkamera des Schmidtteleskops, das sich nach wie vor in der Bildmitte befindet, wurde im Dezember 1998 stillgelegt, das Teleskop selber wird aber als Projektteleskop weiterbetrieben. Zur Zeit führt man damit die LaSilla-QUEST Variability-Himmelsdurchmusterung durch, ein Suchprogramm nach sogenannten Transients am Südhimmel, kurzzeitig auftauchenden Objekten wie zum Beispiel neue Zwergplaneten in Plutogröße oder Supernovae. Seine neue Kamera besteht aus einem Mosaik von 112 CCDs mit insgesamt 160 Millionen Pixeln – ein hervorragendes Beispiel dafür, wie moderne Technik einem alten Teleskop neues Leben einhauchen kann!

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30. Januar 2012

Ein Schatten bei Sonnenaufgang

Auf dieser Aufnahme vom 13. Juli 2011 von ESO-Fotobotschafter Gianluca Lombardi geht die Sonne gerade auf und lässt die chilenische Atacamawüste in einem vertrauten, warmen Rotton aufleuchten. Das Bild zeigt zusätzlich aber noch etwas Ungewöhnliches: ein dunkler Schatten scheint am Horizont zu lauern.

Lombardi nahm das Bild vom Cerro Armazones aus mit Blick in Richtung Westen auf. Der Armazones wird die Heimat des zukünftigen größten Teleskops der Welt für das sichtbare Licht sein: dem European Extremely Large Telescope (E-ELT). Die Sonne ging genau in Lombardis Rücken auf, so dass der 3060 Meter hohe Berg einen Schatten auf die Erdatmosphäre in der Ferne wirft. Dieser Schatten reicht bis weit über die die weite Wüstenlandschaft und den Horizont auf der linken Seite des Bildes hinaus.

Der helle Gipfel aus der rechten Seite des Bildes ist der Cerro Paranal mit einer Höhe von 2600 Metern. Er ist nur 20 Kilometer Luftlinie vom Cerro Armazones entfernt und beherbergt das Very Large Telescope der ESO. Beide Standorte haben außergewöhnlich gute Beobachtungsbedingungen. Rechts vom Paranal auf dem benachbarten Berggipfel befindet sich das VISTA-Durchmusterungsteleskop. Links vom paranal am Horizont liegt das Basislager des Observatoriums und die Residencia.

Die helle Straße, die man in der unteren linken Bildecke erkennen kann, führt zum Gipfel des Cerro Armazones.

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23. Januar 2012

Eine Balkenspirale wirbelt am Nachthimmel

Dieses Bild zeigt das quirlige Aussehen der Galaxie NGC 2217, die sich im Sternbild Canis Major (der Große Hund) befindet. In der Mitte dieser Galaxie befindet sich ein ausgeprägter Balken aus Sternen, umgeben von einem ovalen Ring. Weiter außen bilden mehrere eng gewundene Spiralarme einen nahezu kreisförmigen Ring um die Galaxie. NGC 2217 ist daher als Balkenspirale klassifiziert. Ihre kreisförmige Erscheinung deutet darauf hin, dass wir praktisch von oben auf sie schauen.

Die äußeren Spiralarme haben eine bläuliche Farbe, ein Zeichen für die Existenz heißer, leuchtkräftiger junger Sterne, die in Wolken insterstellaren Gases geboren werden. Die zentrale Verdickung und der Balken erscheinen durch das Vorhandensein von älteren Sternen gelblicher. Dunkle Streifen hier und da die Spiralarme und die zentrale Verdickung, dabei handelt es sich um Filamente aus kosmischem Staub, die einen Teil des Lichts der Sterne abdunkeln.

Man geht davon aus, dass die meisten Spiralgalaxien in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft – inklusive unserer Milchstraße selber – einen irgendwie gearteten Balken aufweisen, und dass diese Strukturen eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer Galaxie spielen. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass Gas in Richtung auf das Zentrum der Galaxie gelenkt wird und helfen so dabei, ein eventuell vorhandenes zentrales Schwarzes Loch zu füttern oder neue Sterne zu bilden.


16. Januar 2012

ALMAs gigantische Antennenschüsseln

Dieses Bild zeigt drei der Antennenschüsseln für das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) zusammen mit Arbeitern vor Ort. So erhält man einen Eindruck von der Größe der gigantischen Antennen, deren Schüsseln mit einem Durchmesser von 12 Metern etwa sieben mal so groß sind wie der Durchschnittsmensch. Wenn ALMA fertiggestellt ist, wird die Anlage aus 66 Präzisionsantennen bestehen, von denen 54 die Größe der hier gezeigten Exemplare haben werden. Zwölf weitere werden etwas kompakter sein und einen Durchmesser von sieben Metern haben. Das gelbe 28-rädrige Transportfahrzeug, das die 100 Tonnen schweren Antennen problemlos tragen kann, ist ebenfalls entsprechend groß ausgeführt.

Dieses Foto wurde im Juli 2011 an der 2900 Meter hoch gelegenen ALMA Operations Support Facility am Fuße der chilenischen Anden aufgenommen, wo die Antennen zusammengebaut und getestet werden. Auf der linken Seite sieht man eine der europäischen ALMA-Antennenschüsseln, sie ist auf den Boden gerichtet. Weiter hinten sieht man eine der Antennenschüsseln, die Japan beigetragen hat, während sich auf dem Transportfahrzeug rechts eine weitere europäische Antenne befindet, die nach oben gerichtet ist. dabei handelt es sich um die erste europäische Antenne, die die Reise zur hochgelegenen Array Operations Site auf dem Chajnantor-Plateau angetreten hat (siehe eso1127). Seit dem Aufnahmedatum des Bildes haben diese und weitere Antennen, die sich bereits auf Chajnantor in Betrieb befinden, bereits mit den ersten wissenschaftlichen Beobachtungen begonnen (siehe eso1137). ALMA wird das kühle Universum untersuchen — von den Überbleibseln der Strahlung des Urknalls bis hin zu dem molekularen Gas und Staub, aus dem sich Sterne, Planeten und Galaxien gebildet haben.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ) für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory (NRAO) für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory (JAO) übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

Die 25 europäischen ALMA-Antennen werden von der ESO über einen Vertrag mit dem europäischen AEM-Konsortium bereitgestellt. Weitere 25 ALMA-Antennen werden von Nordamerika gestellt, 16 stammen aus Ostasien.


9. Januar 2012

Die Kartierung Dunkler Materie in Galaxien

Der Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla Observatorium in Chile hat in dieser Aufnahme eine Vielzahl schwacher Galaxien eingefangen - kleine, helle Flecken, die über den dunklen Himmel verteilt sind. Bilder wie dieses sind wichtige Helfer für das Verständnis der Frage, wie die geheimnisvolle Dunkle Materie in Galaxien verteilt ist.

Das Bild ist Teil der COMBO-17-Himmelsdurchmusterung (Classifying Objects by Medium-Band Observations in 17 Filters), einem Projekt, im Rahmen dessen detaillierte Aufnahmen von kleinen Himmelsbereichen mit 17 verschiedenen Farbfiltern entstehen. Die Fläche dieses Bildes entspricht nur etwa der Größe des Vollmonds, dennoch kann man aber mehrere Tausend Galaxien darin ausmachen.

Die Belichtungszeit für das Bild betrug insgesamt knapp 7 Stunden, genug um neben näher gelegenen Galaxien auch das Licht besonders schwacher und weit entfernter Himmelsobjekte einzufangen.  Galaxien mit deutlichen Strukturen wie die Spiralgalaxie, die man in der oberen linken Bildecke nahezu von der Seite sieht, sind nur wenige Milliarden Lichtjahre von uns entfernt. Die schwächeren, undeutlicheren Objekte sind dagegen so weit weg, dass ihr Licht neun oder zehn Milliarden Jahre gebracuht hat, um uns zu erreichen.

Die COMBO-17-Durchmusterung ist ein wichtiges Werkzeug bei der Untersuchung der verteilung Dunkler Materie in Galaxien. Die Dunkle Materie ist eine geheimnisvolle Substanz, die Licht weder emittiert noch absorbiert, und die nur über die Wirkung ihrer Schwerkraft auf andere Objekte nachgewiesen werden kann. Einige der näher liegenden Galaxien auf dem Bild fungieren als Linsen, die das Licht der dahinterliegenden Galaxien ablenken. Über die Messung der dadurch entstehenden Verzerrung des Bildes, einen Effekt den man den Gravitationslinseneffekt nennt, können Astronomen die Verteilung der Dunklen Materie in den Linsengalaxien berechnen.

Die Verzerrung ist sehr schwach und daher für das bloße Auge nahezu unmerklich. Da eine Himmelsdurchmusterung in 17 Farbbändern aber besonders präzise Entfernungsmessungen ermöglicht, kann man auch ermitteln, ob zwei Galaxien, die am Himmel nahe beieinanderstehen, nicht deutlich voneinander abweichende Entfernungen von der Erde haben. Nahcdem man solche Linsensysteme identifiziert hat, lässt sich die Verzerrung bestimmen, indem man über mehrere Tausend Galaxien mittelt. Im Rahmen der COMBO-17-Durchmusterung konnten mehr als 4000 solche Gravitatinslinsensysteme identifiziert werden - eine hervorragende Methode um die Dunkle materie besser zu verstehen.

Dieses Bild  wurde aus den Aufnahmen von dreien der 17 Filter des Projektes zusammengesetzt: B (blau), V (grün) und R (rot). Daten, die mit zusätzlichen Nahinfrarotfiltern aufgenommen wurden, sind ebenfalls Bestandteil.

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3. Januar 2012

Einblicke in die Vergangenheit - das La Silla-Observatorium damals und heute

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Unser erster Halt auf dieser Reise durch die Zeit ist La Silla, der erste Observatoriumsstandort der ESO. Die historische Aufnahme wurde Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre vom Kuppelgebäude des 1,52-Meter-Teleskops der ESO aus aufgenommen, das 1968 sein First Light hatte. Das zweite, aktuelle Bild zeigt, wie stark sich das Observatorium im Lauf der Jahrzehnte verändert hat. Im interaktiven Vergleichsbild lässt sich dies direkt sehen.

Auf dem historischen Foto sehen wir rechts im Vordergrund das 1-Meter-Teleskop der ESO und dahinter Teile des Grand Prism Objectif (GPO). Das dritte Teleskop auf dem Bild ist das 1-Meter-Schmidtteleskop auf der linken Seite. Dahinter erkennt man die Wassertanks des Observatoriums

Spult man die Zeit bis zum heutigen Tag vor, sieht man, wie La Silla sich weiterentwickelt hat. Viele weitere Teleskope sind hinzugekommen: Das 3,6-Meter-Teleskop der ESO und das benachbarte Coudé Auxiliary Telescope ragen nun vom Gipfel des Berges auf. Der eckige Schutzbau auf der linken Seite neben den Wassertanks gehört zum New Technology Telescope (NTT). Die Antennenschüssel des Schwedisch-ESO Submillimeterteleskops (SEST) mit 15 Metern Durchmesser schaut ganz rechts über den Horizont.

Das aktuelle Foto wurde von einer leicht geänderten Position auf dem Gebäude des 1.52-Meter-Teleskops aus aufgenommen, so dass das GPO vollkommen hinter dem 1-Meter-Teleskop verborgen ist. Der weiße Kuppelbau direkt hinter dem 1-Meter-Teleskop gehört zum dänischen 1,54-Meter-Teleskop. In der Bildmitte sieht man die silberfarbene Kuppel des MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskops.

Während einige der gezeigten Teleskope, wie das 1-Meter- und das 1,52-Meter-Teleskop der ESO oder SEST nicht mehr in Betrieb sind, wird mit anderen nach wie vor an vorderster Front geforscht. Das 3,6-Meter-Teleskop ist mit dem HARPS-Instrument ausgerüstet, dem weltweit führenden Exoplanetenjäger (siehe eso1134 für einige der neuesten Ergebnisse). Das NTT war vor kurzem daran beteiligt, die Entstehung massereicher Sterne zu erklären (siehe eso1029). Beide Teleskope haben außerdem wichtige Daten zur Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums beigetragen – dafür wurde 2011 der Nobelpreis für Physik vergeben. Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop hat generiert einen ganz besonderen Datenschatz erzeugt: atemberaubende Weitfeldaufnahmen, mit denen sich Gammastrahlenausbrüche untersuchen lassen, die explosivsten Ereignisse im Universum überhaupt.

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