La Silla

Der erste ESO-Standort


La Silla

Das La Silla-Observatorium, 600 Kilometer nördlich von Santiago de Chile auf einer Höhe von 2400 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, wurde in den 1960er Jahren als erstes der ESO-Observatorien errichtet. Hier betreibt ESO einige der produktivsten Teleskope der 4-Meter-Klasse auf der Welt.

Das New Technology Telescope, mit einem Spiegeldurchmesser von 3,5 Metern, leitete eine neue Ära des Teleskopbaus ein. Es war weltweit das erste Teleskop mit aktiver Optik: die Form seines Hauptspiegels wird fortwährend computergestützt kontrolliert und korrigiert. Heute findet diese bei ESO entwickelte Technik bei allen größeren Teleskopen Anwendung.

La SillaAm 3,6-Meter-Teleskop ist derzeit das Instrument HARPS montiert, einer der erfolgreichsten Exoplanetenjäger. HARPS steht für "High Accuracy Radial-velocity Planet Searcher" (wörtlich der "hochgenaue Radialgeschwindigkeits-Planetenjäger"), dahinter verbirgt sich ein hochpräziser Spektrograf.

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, hat eine Vielzahl von Bildern hervorgebracht, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind, wie beispielsweise die unten rechts gezeigte Aufnahme des Nebels NGC 2467.

Die auf La Silla vorhandene Infrastruktur wird von einer Reihe von ESO-Mitgliedsstaaten für eigene Projekte genutzt, wie etwa das Schweizer Leonhard-Euler-Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 1,2 Meter oder die Rapid Eye Mount (REM) und TAROT-Teleskope, die für die Beobachtung von Gammaausbrüchen ausgelegt sind. Hinzu kommen Einrichtungen mit weiter gefasstem Nutzerkreis wie das dänische 1,54-Meter-Teleskop.

Auch heute noch ist La Silla ein hochproduktiver Standort. Dort durchgeführte Beobachtungen führen pro Jahr zu rund 300 begutachteten Fachveröffentlichungen. Auf La Silla gelangen eine Reihe wichtiger Entdeckungen: Der Spektrograf HARPS hat weltweit bei der Suche nach vergleichsweise massearmen – und in dieser Hinsicht der Erde ähnlichen – Exoplaneten die Nase vorn. Er entdeckte das Planetensystem um den Stern Gliese 581, das möglicherweise den ersten bekannten erdähnlichen Planeten enthält, der seinen Stern in der so genannten habitablen Zone umkreist, also in einem Abstand, in dem Wasser in flüssiger Form existieren kann (eso0722). Gleich mehrere der Teleskope auf La Silla haben dazu beigetragen, den Zusammenhang zwischen Gammastrahlenausbrüchen – den energiereichsten Explosionen nach dem Urknall – und dem Kollaps massereicher Sterne zu etablieren. Seit 1987 spielt das Observatorium zudem eine wichtige Rolle bei Untersuchungen der uns nächsten Supernova in jüngerer Zeit, SN 1987A in der Großen Magellanschen Wolke, und deren bis heute sichtbaren Überresten.

La Silla befindet sich in den Randgebieten der Atacama-Wüste im Norden Chiles, in einer der trockensten und einsamsten Gegenden der Erde. Wie andere Observatorien in dieser Region – etwa das Paranal-Observatorium mit dem Very Large Telescope – befindet sich La Silla fern aller Quellen von Lichtverschmutzung, und bietet den dort befindlichen Teleskopen einen extrem dunklen Nachthimmel.

Ausführliche Informationen und technische Details zu den Instrumenten, die auf La Silla in Betrieb sind, befinden sich gesondert auf den wissenschaftlichen Seiten (auf englisch). Weitere Bilder und Videos stehen im englischsprachigen Teil dieses Webportals im ESO-Multimediaarchiv zur Verfügung.

Kurzvideo zu La Silla (Text auf Englisch)

La Silla auf Google Maps