Bild der Woche

23. April 2012

Der Mond und das Band der Milchstrasse

Der ESO Fotobotschafter Stéphane Guisard nahm dieses erstaunliche Panorama bei ALMA-Anlage, dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array, in den chilenischen Anden auf. Das 5000 Meter hoch gelegene und extrem trockene Chajnantor-Plateau bietet den perfekten Ort für dieses hochmoderne Teleskop, das unser Universum bei Millimeter- und Submillimeterwellenlängen studieren wird.

Zahlreiche große Antennen dominieren das Zentrum des Bildes. Wenn ALMA fertiggestellt sein wird, wird es über 54 dieser Antennen mit 12 Metern Durchmesser verfügen. Über dem Antennenfeld spannt sich das Band der Milchstraße als strahlende Kulisse. Als das Bild aufgenommen wurde stand der Mond nahe dem Zentrum der Milchstraße am Himmel, dessen Licht die Antennen in ein unheimliches nächtliches Leuchten taucht. Die Große und die Kleine Magellansche Wolken, die größten Begleitgalaxien der Milchstraße, erscheinen links als zwei helle Flecken am Himmel. Ein besonders heller Streifen, verursacht von einem Meteor, leuchtet nahe der Kleinen Magellanschen Wolke.

Rechterhand sind einige der kleineren 7-Meter-Antennen von ALMA zu sehen, zwölf davon bilden das Atacama Compact Array. Noch weiter rechts scheint das Licht vom Array Operations Technical Building. Und letztlich schimmert hinter dem Gebäude im Dunkeln der Gipfel des Cerro Chajnantor.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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16. April 2012

APEX steht Wache auf Chajnantor

Das Atacama Pathfinder Experiment (APEX) blickt während einer klaren, mondlosen Nacht von Chajnantor aus in den Himmel, einem der höchstgelegenen und trockensten Observatoriumsstandorte der Welt. Astronomische Schätze füllen den Himmel über dem Teleskop, ein Testament der exzellenten Beobachtungsbedingungen an dieser Anlage in Chiles Atacama-Region.

Links im Bild leuchten die Sterne des hinteren Teils vom Sternbild Scorpius (der Skorpion). Der „Stachel“ des Skorpions wird durch die zwei hellen, nah beieinander stehenden Sterne dargestellt. Die Ebene der Milchstraße überspannt den Himmel mit einem Band schwach leuchtender Wolken.

Zwischen dem Skorpion und dem benachbarten Sternbild Sagittarius (der Schütze) auf der rechten Seite ist aufragend über der APEX-Antennenschüssel deutlich ein prächtiger Sternhaufen zu erkennen. Dies ist der offene Sternhaufen Messier 7, der auch unter dem Namen Ptolemäus-Sternhaufen bekannt ist. Unterhalb und leicht rechts von Messier 7 liegt Messier 6, der Schmetterlingshaufen. Weiter rechts, gerade oberhalb der Kante der Antennenschüssel, liegt eine helle Wolke, die wie ein heller Schmutzfleck aussieht. Dies ist der berühmte Lagunennebel (siehe eso0936 für eine Großaufnahme).

Mit einem Antennendurchmesser von 12 Metern ist APEX das größte Submillimeterteleskop auf der südlichen Hemisphäre mit einer einzelnen Teleskopschüssel. Wie der Name andeutet, dient es als Vorreiter für das größte Millimeter/submillimeter-Antennenfeld der Welt, das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA), das im Jahr 2013 fertiggestellt wird (eso1137). APEX wird seinem Standort mit den 66 Antennen von ALMA auf dem 5000 Meter hohen Chajnantor-Plateau teilen. Das APEX-Teleskop basiert auf einer Prototypenantenne für das ALMA-Projekt und wird viele Ziele für ALMA, die dort mit größerem Detail untersucht werden, aufspüren.

Babak Tafreshi, einer der ESO-Fotobotschafter, nahm das Foto mit einem Teleobjektiv auf. Tafreshi ist der Gründer von The World at Night (TWAN), einem Programm, das sich der Aufnahme und Ausstellung überwältigender Fotografien und Zeitrafferaufnahmen der schönsten oder historischen Stätten weltweit als Kulisse für Sterne, Planeten und astronomische Ereignisse widmet.

Weitere Informationen

APEX ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory OSO) und der ESO, die das teleskop betreibt.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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9. April 2012

Chajnantor “rundherum” – ein 360°-Panorama

Obwohl der Cerro Chico die beachtliche Höhe von 5300 Meter über N.N. erreicht, ist er nur ein kleiner Berg in der majestätischen Landschaft des Andenplateaus. Gleichwohl steht der Name auf Spanisch für „kleiner Berg“. Dennoch bietet der Gipfel des Cerro Chico wegen seiner Lage auf dem Chajnantorplateau einen großartigen und relativ leicht erreichbaren Aussichtspunkt, von dem die überwältigende Ansicht genossen werden kann.

Das 360°-Panorama weist in der Mitte nach Nordosten, wo die höchsten Vulkane –die meisten mit Höhen über 5500 Metern – zu sehen sind. In der Mitte liegt der Cerro Chajnantor. Zur Rechten erkennt man das Atacama Pathfinder Experiment Telescope (APEX) mit dem dahinterliegenden Cerro Chascon. Weiter nach rechts in Richtung Südost ist das Chajnantorplateau vollständig sichtbar. Zusätzlich zum APEX Teleskop erkennt man ganz rechts drei Antennen des Atacama Large Millimeter/submillimeter Arrays (ALMA). Seit dieser Aufnahme sind viele weitere Antennen hinzugekommen.

Links vom Cerro Chajnantor steht der Cerro Toco. Weiter links im Nordwesten sieht man den markant konisch geformten Gipfel des Licancabur Vulkans.

Auf dem Chajnantorplateau auf 5000 Metern Höhe ist die Luft so dünn und trocken, dass sie scheinbar nie die Lungen zu füllen vermag. Dank dieser extremen Bedingungen kann die Millimeter- und Submillimeterstrahlung aus dem Rest unseres Universums durch die geringe verbleibende Atmosphärenschicht oberhalb der Instrumente passieren und mit den empfindlichen Teleskopen wie ALMA und APEX empfangen werden.

APEX ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory OSO) und der ESO, die das Teleskop betreibt.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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2. April 2012

La Silla, der erste Standort für die Teleskope der ESO – damals und heute

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Das historische Bild wurde 1970 von den La Silla-Unterkünften aus aufgenommen, die sich unterhalb der Teleskopkuppeln auf dem Berg befanden. Das Foto zeigt den Blick auf den höchsten Punkt des Berges auf der linken Seite. Die metallene Struktur nahe des Gipfels ist kein Teleskop, sondern ein Wassertank für die Anlage. Die weiße Kuppel in der Bildmitte gehört zum 1-Meter Schmidt-Teleskop der ESO, das seine Arbeit im Februar 1972 aufgenommen hat. Ganz rechts ist das ESO 1-Meter-Teleskop gerade noch über dem Felsgrat zu erkennen, links davon erkennt man das Grand Prism Objectif.

In der aktuellen Ansicht erkennt man noch immer die Unterkünfte, allerdings wurden in Laufe der Jahrzehnte weitere Gebäude hinzugebaut. Die deutlichste Veränderung ist am La Silla-Gipfel auf der linken Bildseite zu erkennen. Am höchsten Punkt steht das 3,6-Meter-Teleskop, das im November 1976 den Beobachtungsbetrieb aufgenommen hat und bis heute im Einsatz ist. Das 3,6-Meter-Teleskop ist mit HARPS, dem erfolgreichsten Instrument zur Exoplanetenjagd (sieheeso1134 und eso1214 für aktuelle Resultate) ausgerüstet. Der Bau des 3,6-Meter-Teleskops war bereits bei der Gründung der ESO vorgesehen. Es sollte die Krönung des La Silla-Observatoriums und sein größtes Teleskop werden, damals war es eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Die kleinere Kuppel vor dem 3,6-Meter-Teleskop ist das 1.4-Meter Coude Auxiliary Telescope, dase seinen größeren Nachbarn ergänzt.

Rechts vom 3,6-Meter-Teleskop steht das New Technology Telescope (NTT), erkennbar durch die eckige, metallene Kuppel. Das NTT, das im März 1989 mit dem Beobachtungsbetrieb aufnahm, war das weltweit erste Teleskop mit einem computergesteuerten Spiegel. Als Vorläufer für das Verry Large Telescope genutzt, um viele neue Technologien zu testen, die bei seinem Nachfolger zum Einsatz kamen.

Weitere neue Objekte in der aktuellen Auf sind der Aufnahme sind der Seminarraum unterhalb der Wassertanks und der Differential Image Motion Monitor (DIMM), der zur Messung des atmosphärischen Seeings benutzt wird und auf Stelzen zwischen dem Seminarraum und dem 1-Meter-Teleskop platziert ist.

Auch heute bleibt La Silla ein sehr aktives Observatorium, an dem viele Entdeckungen gemacht werden. Sowohl das NTT als auch das 3,6-Meter-Teleskop haben wichtige Daten, die zur Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums führten, zur Verfügung gestellt – einer Entdeckung, für die im Jahr 2011 der Nobelpreis der Physik vergeben wurde.

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26. März 2012

Wären Sie gerne hier?

Der französische Fotograf Serge Brunier – einer der Foto-Botschafter der ESO – hat dieses unvergleichliche 360°-Panorama der Chajnantor-Hochebene in der Atacama-Wüste aufgenommen, dort wo das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array gebaut wird.

Die Panorama-Projektion erzeugt eine leichte Verzerrung der ALMA-Antennen, gibt aber immer noch den Eindruck der Umgebung wieder, wenn man in der Mitte dieses eindrucksvollen Observatoriums stehen würde. Die 360°-Ansicht zeigt auch die völlige Isolation der Chajnantor-Hochebene; auf einer Höhe von 5000 Metern ist die Kulisse bis auf ein paar Berggipfel und Hügel karg.

Obwohl die Konstruktion eines so anspruchsvollen Teleskopes in einer derart abgelegenen und rauhen Umgebung eine Herausforderung darstellt, ist die extreme Höhenlage der perfekt für Submillimeter-Astronomie. Wasserdampf in der Erdatmosphäre absorbiert diese Strahlung, aber die Luft ist in großen Höhen wie auf der Chajnantor-Hochebene extrem trocken.

ALMA hat die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen am 30. September 2011 mit einem Teil des Antennenfeldes begonnen. Nach der Fertigstellung des Observatoriums werden die beeindruckenden fünfzig 12-Meter Antennen – wie auch das kleinere Feld von vier 12-Meter Antennen und zwölf 7-Meter Antennen, bezeichnet als Atacama Compact Array (ACA) – die abgelegene Landschaft etwas weniger karg erscheinen lassen. Zwischenzeitlich dokumentieren Fotografien wie diese den Entwicklungsfortschritt einer neuen Weltklasse von Teleskop-Anlagen.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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19. März 2012

Das VLT auf „Löwenjagd“

Das Very Large Telescope hat ein weiteres Mitglied der Galaxiengruppe Leo I im Sternbild des Löwen „erbeutet“. Die Galaxie Messier 95 steht beeindruckend in fast senkrechter Ansicht und bietet einen idealen Blick auf ihre Spiralstruktur. Die Spiralarme formen einen fast perfekten Kreis um das galaktische Zentrum und sprießen dann wie eine Löwenmähne nach außen, ein Effekt auf den jeder Löwe stolz sein könnte.

Ein weiteres Charakteristikum von Messier 95, vielleicht sogar noch auffälliger, ist das leuchtend goldene Zentrum. Es enthält einen durch Kernprozesse geformten Ring von Sternen mit fast 2000 Lichtjahren Durchmesser, in dem große Anteile der galaktischen Sternbildung ablaufen. Dieses Phänomen tritt meistens in Balkenspiralgalaxien wie in Messier 95 oder unserer Heimatgalaxie, der Milchstrasse, auf.

In der Leo I-Gruppe wird Messier 95 durch ihre Schwestergalaxie Messier 96 überstrahlt. Messier 96 ist tatsächlich das hellste Mitglied der Gruppe und gibt – als „Führer des Rudels“ – mit Leo I den alternativen Namen für die M96 Gruppe. Gleichwohl zeigt auch Messier 95 ein spektakuläres Bild.


12. März 2012

Ein zarter Schleier von Schnee in der Atacama-Wüste

Die Kuppeln vom Very Large Telescope der ESO auf der Spitze des Cerro Paranal nehmen ein Bad im Sonnenlicht eines weiteren herrlichen wolkenlosen Tages. Aber etwas ist anders auf diesem Bild: Eine dünne Schneeschicht hat sich über die Wüstenlandschaft gelegt. Soetwas sieht man hier nicht jeden Tag. Eigentlich ist das genaue Gegenteil üblich, da die Atacama Wüste nahezu keinen Niederschlag kennt.

Mehrere Faktoren sind für die trockenen Bedingungen in der Atacama verantwortlich. Die Bergkette der Anden verhindert Regenfälle aus dem Osten und die chilenische Küstenregion aus dem Westen. Der kalte Humboldt-Strom im Pazifik erzeugt eine Inversionsschicht von kalter Luft, womit Regenwolken nicht entstehen können. Ein Hochdruckgebiet im südöstlichen Pazifik erzeugt rotierende Windfelder, die einen Antizyklon bilden. Auch dieser Mechanismus hilft dabei, die Atacama trocken zu halten. Dank all dieser Faktoren gilt die Region als der trockenste Ort auf dieser Erde!

Auf dem Paranal sind wenige Millimeter Niederschlagsmenge pro Jahr üblich, mit einer Luftfeuchtigkeit unter 10% und Temperaturen im Bereich von -8 bis 25°C. Die trockenen Bedingungen in der Atacama-Wüste waren für die ESO einer der hauptsächlichen Gründe auf dem Paranal das Very Large Telescope zu stationieren. Gelegentlich werden die trockenen Bedingungen von Schneefällen unterbrochen und produzieren ungewöhnliche Bilder von seltener Schönheit.

Das Bild wurde am 1. August 2011 von ESO-Foto-Botschafter Stéphane Guisard aufgenommen.

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5. März 2012

Ein Blick in die Vergangenheit – La Sillas Verwandlung im Laufe der Zeit

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Hier sieht man zwei Aufnahmen von La Silla vom Juni 1968 und aus der heutigen Zeit, die in der Nähe der beiden Wassertanks des Observatoriums aufgenommen wurden und den Rest der Anlage zeigen. Die Veränderungen kann man leicht sichtbar machen, wenn man mit der Maus die Trennlinie im Bild verschiebt.

Im Vordergrund des historischen Bildes erkennt man die provisorische Wohnsiedlung, im Hintergrund folgen von links nach rechts drei Teleskope: das Grand Prism Objectif, das 1-Meter-Teleskop und 1,5-Meter-Teleskop der ESO. Alle hatten 1968 Ihr „erstes Licht“ oder First Light“. Diese drei Teleskope waren die ersten auf La Silla. Die weiße Kuppel, die am dichtesten am Betrachter liegt, gehört zum 1-Meter-Schmidteleskop der ESO, das 1971 seine ersten Beobachtungen durchgeführt hat.

Heute sind alle vier Kuppeln noch vorhanden, der Betrieb der ersten drei Teleskope wurde aber mittlerweile eingestellt. Das 1-Meter-Schmidteleskop ist noch in Betrieb, es wird mittlerweile ausschließlich für den QUEST Variable Survey (siehe Bild der Woche potw1201a) genutzt.

Auf dem aktuellen Bild sind zwei neue Teleskope sichtbar. Die silberne Kuppel gehört zumMPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop, das seit Anfang 1984 als Dauerleihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO in Betrieb ist. Links im Hintergrund befindet sich das dänische 1,54-Meter-Teleskop, das seit 1979 in Betrieb ist, eines von mehreren nationalen Teleskopen auf La Silla.

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27. Februar 2012

Ein Teleskop nimmt Fahrt auf

Die dynamische Bewegung vom Very Large Telescope der  ESO ist in dieser ungewöhnlichen Aufnahme wiedergegeben, die kurz nach Sonnenuntergang beim „Arbeitsbegin“ des Hauptteleskopes 1 belichtet wurde. Mit einer Belichtungszeit von 26 Sekunden konnte ESO-Fotobotschafter Gerhard Hüdepohl die Bewegung des Schutzbaus durch die freie Öffnung nach außen blickend einfangen, während das System in Aktion ist. Der rotierende Schutzbau ähnelt einem himmlischen Wirbel, der durch die Rotation immer neue Ansichten auf die Atacamawüste freigibt. Die anbrechende Dämmerung trägt einem Spritzer Blau bei.

Das im Zentrum sichtbare Teleskop hat einen Spiegel mit 8,2 Metern Durchmesser, der entwickelt wurde, um Licht aus den fernsten Regionen unseres Universums zu sammeln. Der Schutzbau ist ein weiteres technisches Wunderwerk, seine Bewegung findet mit extremer Präzision statt. Seine  Aufgabe ist auch die präzise Kontrolle der Temperatur, damit warme Luft nicht zu Beobachtungunterbrechungen führt.

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20. Februar 2012

Wanderung auf den Cerro Paranal

Die Anlagen des Paranal-Observatoriums der ESO,wie beispielsweise die Residencia, geben den dort arbeitenden Menschen einen willkommenen Unterschlupf vor der unwirtlichen Umgebung. Trotz allem bieten sie interessante Möglichkeiten für jene, die die karge und stille Schönheit der Atacamawüste genießen wollen.

Darunter ist auch der “Star Track” oder “Sternenpfad”, ein Fußweg, der die Residencia mit der Plattform des Very Large Telescopes verbindet. Er verläuft bis zum Gipfel des 2600m hohen Cerro Paranal. Der Wanderweg wurde 2001 erbaut, hat eine Länge von ca. 2 km und überwindet eine Höhendifferenz von 200m. Der letzte Teil des Weges windet sich die Westseite der Berges hinauf und bietet unvergleichliche Aussichtspunkte.

Dieses 360°-Panorama zeigt im Mittelteil nach Norden, somit ist die rechte und linke Bildseite nach Süden weisend ausgerichtet. Nach Norden ist der Kontrollraum des VLT und eines der Schutzgebäude des VLTs gerade noch über einem kleinen Hügel erkennbar, der die meisten Anlageteile des VLTs verdeckt. Nach Westen bedecken Wolken den Pazifik, der gerade mal 12 km entfernt liegt. In östlicher Richtung erkennt man die Fassade und die Kuppel der Residencia.

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13. Februar 2012

Zum Valentinstag: Das Herz der Milchstraße

Viele Menschen lieben die Astronomie – und angesichts des bevorstehenden Valentinstags zeigt uns Julien Girard mit dieser Aufnahme, dass dies im wahrsten Sinne des Wortes von Herzen kommt. Ein helles, pinkes Symbol der Liebe scheint darauf vor dem Hintergrund des Nachthimmels am Paranal-Observatorium der ESO im Norden Chiles. Girard zeichnete das Herz während der 25-sekündigen Belichtung, während der die Kamera auf einem Stativ befestigt war, mit einer kleinen Taschenlampe in die Luft, die er an seinem Schlüsselband hatte.

Die Milchstraße erstreckt sich über das gesamte Bild, und im Inneren des Herzens steht das Zentrum der Galaxis. Die Sterne des Sternbilds Corona Australis (die südliche Krone) bilden einen Bogen aus funkelnden Juwelen über dem linken Teil des Herzes. Das diffuse Leuchten links von der Spitze des Herzes ist das Zodiakallicht, das durch Sonnenlicht verursacht wird, das von Staubteilchen in der Ebene unseres Sonnensystems gestreut wird.

Rechts unten am Horizont sieht man die Silhouetten der 8,2-Meter-Teleskope des Very Large Telescope (VLT) der ESOauf dem Gipfel des Cerro Paranal. Die Lichter eines Autos, das von der Observatoriumsplattform zurückfährt, sind links neben den Teleskopen zu sehen.

Julien Girard ist Astronom bei der ESO in Chile und arbeitet am VLT. Er ist verantwortlich für das  NACO-Instrument mit adaptiver Optik an Hauptteleskop Nr. 4. Dieses Foto hat er bei der "Your ESO Pictures"-Flickrgruppe eingereicht, wo es für das Bild der Woche ausgewählt wurde.

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6. Februar 2012

Eine Fahrt durch die Zeit - wie sich Teleskope und Autos auf La Silla verändert haben

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Diese beiden Fotografien zeigen das La Silla-Observatorium jeweils in den späten 60er Jahren und heute. Im Vergleichsbild lassen sich die Unterschiede direkt mit dem Schiebebalken erkunden. Die Teleskope sind dabei nicht die einzigen Dinge, die sich geändert haben, auch die Fahrzeuge auf den Bildern demonstrieren den Lauf der Zeit. Der Volkswagen 1600 Variant auf dem ersten Bild ist mittlerweile durch einen Suzuki 4WD ersetzt worden, wie man ihn auf dem zweiten Bild sieht. Heutzutage sind alle ESO-Fahrzeuge auf La Silla weiß, damit sie während der Nacht besser sichtbar sind.

In der Bildmitte der historischen Aufnahmen sieht man das 1-Meter-Schmidtteleskop der ESO, das 1971 seinen Betrieb aufgenommen hat, noch alleine stehen. Zur damaligen Zeit wurde es in Kombination mit Glasfotoplatten verwendet, die Großfeldaufnahmen des Südhimmels mit einem Gesichtsfelddurchmesser von vier Grad entstehen ließen – groß genug also, um den Vollmond 64 Mal abzudecken. Die Hütten, die sich auf der rechten Seite des Bildes an der Straße entlangreihen, dienten den Astronomen als Schlafstätte.

Spult man die Zeit zum Jahr 2011 vor, tauchen zwei weitere Teleskope auf. Auf der linken Seite sieht man das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop, das seit 1984 in Benutzung ist. Tatsächlich ist das Vorhandensein des entsprechenden Gebäudes der Grund dafür, dass das aktuelle Bild nicht exakt von derselben Stelle aufgenommen werden konnte wie die historische Aufnahme. Rechts auf dem Berggipfel befindet sich das New Technology Telescope (NTT), das Ende 1989 mit ersten Testbeobachtungen begonnen hat. Beide Teleskope haben im Lauf der Zeit viele Erfolge erzielt und befinden sich nach wie vor in Betrieb. Nur die Schlafhütten der Astronomen wurden mittlerweile durch ein komfortableres “Hotel” am Rand des Observatoriums ersetzt.

Die alte Plattenkamera des Schmidtteleskops, das sich nach wie vor in der Bildmitte befindet, wurde im Dezember 1998 stillgelegt, das Teleskop selber wird aber als Projektteleskop weiterbetrieben. Zur Zeit führt man damit die LaSilla-QUEST Variability-Himmelsdurchmusterung durch, ein Suchprogramm nach sogenannten Transients am Südhimmel, kurzzeitig auftauchenden Objekten wie zum Beispiel neue Zwergplaneten in Plutogröße oder Supernovae. Seine neue Kamera besteht aus einem Mosaik von 112 CCDs mit insgesamt 160 Millionen Pixeln – ein hervorragendes Beispiel dafür, wie moderne Technik einem alten Teleskop neues Leben einhauchen kann!

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30. Januar 2012

Ein Schatten bei Sonnenaufgang

Auf dieser Aufnahme vom 13. Juli 2011 von ESO-Fotobotschafter Gianluca Lombardi geht die Sonne gerade auf und lässt die chilenische Atacamawüste in einem vertrauten, warmen Rotton aufleuchten. Das Bild zeigt zusätzlich aber noch etwas Ungewöhnliches: ein dunkler Schatten scheint am Horizont zu lauern.

Lombardi nahm das Bild vom Cerro Armazones aus mit Blick in Richtung Westen auf. Der Armazones wird die Heimat des zukünftigen größten Teleskops der Welt für das sichtbare Licht sein: dem European Extremely Large Telescope (E-ELT). Die Sonne ging genau in Lombardis Rücken auf, so dass der 3060 Meter hohe Berg einen Schatten auf die Erdatmosphäre in der Ferne wirft. Dieser Schatten reicht bis weit über die die weite Wüstenlandschaft und den Horizont auf der linken Seite des Bildes hinaus.

Der helle Gipfel aus der rechten Seite des Bildes ist der Cerro Paranal mit einer Höhe von 2600 Metern. Er ist nur 20 Kilometer Luftlinie vom Cerro Armazones entfernt und beherbergt das Very Large Telescope der ESO. Beide Standorte haben außergewöhnlich gute Beobachtungsbedingungen. Rechts vom Paranal auf dem benachbarten Berggipfel befindet sich das VISTA-Durchmusterungsteleskop. Links vom paranal am Horizont liegt das Basislager des Observatoriums und die Residencia.

Die helle Straße, die man in der unteren linken Bildecke erkennen kann, führt zum Gipfel des Cerro Armazones.

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23. Januar 2012

Eine Balkenspirale wirbelt am Nachthimmel

Dieses Bild zeigt das quirlige Aussehen der Galaxie NGC 2217, die sich im Sternbild Canis Major (der Große Hund) befindet. In der Mitte dieser Galaxie befindet sich ein ausgeprägter Balken aus Sternen, umgeben von einem ovalen Ring. Weiter außen bilden mehrere eng gewundene Spiralarme einen nahezu kreisförmigen Ring um die Galaxie. NGC 2217 ist daher als Balkenspirale klassifiziert. Ihre kreisförmige Erscheinung deutet darauf hin, dass wir praktisch von oben auf sie schauen.

Die äußeren Spiralarme haben eine bläuliche Farbe, ein Zeichen für die Existenz heißer, leuchtkräftiger junger Sterne, die in Wolken insterstellaren Gases geboren werden. Die zentrale Verdickung und der Balken erscheinen durch das Vorhandensein von älteren Sternen gelblicher. Dunkle Streifen hier und da die Spiralarme und die zentrale Verdickung, dabei handelt es sich um Filamente aus kosmischem Staub, die einen Teil des Lichts der Sterne abdunkeln.

Man geht davon aus, dass die meisten Spiralgalaxien in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft – inklusive unserer Milchstraße selber – einen irgendwie gearteten Balken aufweisen, und dass diese Strukturen eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer Galaxie spielen. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass Gas in Richtung auf das Zentrum der Galaxie gelenkt wird und helfen so dabei, ein eventuell vorhandenes zentrales Schwarzes Loch zu füttern oder neue Sterne zu bilden.


16. Januar 2012

ALMAs gigantische Antennenschüsseln

Dieses Bild zeigt drei der Antennenschüsseln für das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) zusammen mit Arbeitern vor Ort. So erhält man einen Eindruck von der Größe der gigantischen Antennen, deren Schüsseln mit einem Durchmesser von 12 Metern etwa sieben mal so groß sind wie der Durchschnittsmensch. Wenn ALMA fertiggestellt ist, wird die Anlage aus 66 Präzisionsantennen bestehen, von denen 54 die Größe der hier gezeigten Exemplare haben werden. Zwölf weitere werden etwas kompakter sein und einen Durchmesser von sieben Metern haben. Das gelbe 28-rädrige Transportfahrzeug, das die 100 Tonnen schweren Antennen problemlos tragen kann, ist ebenfalls entsprechend groß ausgeführt.

Dieses Foto wurde im Juli 2011 an der 2900 Meter hoch gelegenen ALMA Operations Support Facility am Fuße der chilenischen Anden aufgenommen, wo die Antennen zusammengebaut und getestet werden. Auf der linken Seite sieht man eine der europäischen ALMA-Antennenschüsseln, sie ist auf den Boden gerichtet. Weiter hinten sieht man eine der Antennenschüsseln, die Japan beigetragen hat, während sich auf dem Transportfahrzeug rechts eine weitere europäische Antenne befindet, die nach oben gerichtet ist. dabei handelt es sich um die erste europäische Antenne, die die Reise zur hochgelegenen Array Operations Site auf dem Chajnantor-Plateau angetreten hat (siehe eso1127). Seit dem Aufnahmedatum des Bildes haben diese und weitere Antennen, die sich bereits auf Chajnantor in Betrieb befinden, bereits mit den ersten wissenschaftlichen Beobachtungen begonnen (siehe eso1137). ALMA wird das kühle Universum untersuchen — von den Überbleibseln der Strahlung des Urknalls bis hin zu dem molekularen Gas und Staub, aus dem sich Sterne, Planeten und Galaxien gebildet haben.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ) für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory (NRAO) für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory (JAO) übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

Die 25 europäischen ALMA-Antennen werden von der ESO über einen Vertrag mit dem europäischen AEM-Konsortium bereitgestellt. Weitere 25 ALMA-Antennen werden von Nordamerika gestellt, 16 stammen aus Ostasien.


9. Januar 2012

Die Kartierung Dunkler Materie in Galaxien

Der Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla Observatorium in Chile hat in dieser Aufnahme eine Vielzahl schwacher Galaxien eingefangen - kleine, helle Flecken, die über den dunklen Himmel verteilt sind. Bilder wie dieses sind wichtige Helfer für das Verständnis der Frage, wie die geheimnisvolle Dunkle Materie in Galaxien verteilt ist.

Das Bild ist Teil der COMBO-17-Himmelsdurchmusterung (Classifying Objects by Medium-Band Observations in 17 Filters), einem Projekt, im Rahmen dessen detaillierte Aufnahmen von kleinen Himmelsbereichen mit 17 verschiedenen Farbfiltern entstehen. Die Fläche dieses Bildes entspricht nur etwa der Größe des Vollmonds, dennoch kann man aber mehrere Tausend Galaxien darin ausmachen.

Die Belichtungszeit für das Bild betrug insgesamt knapp 7 Stunden, genug um neben näher gelegenen Galaxien auch das Licht besonders schwacher und weit entfernter Himmelsobjekte einzufangen.  Galaxien mit deutlichen Strukturen wie die Spiralgalaxie, die man in der oberen linken Bildecke nahezu von der Seite sieht, sind nur wenige Milliarden Lichtjahre von uns entfernt. Die schwächeren, undeutlicheren Objekte sind dagegen so weit weg, dass ihr Licht neun oder zehn Milliarden Jahre gebracuht hat, um uns zu erreichen.

Die COMBO-17-Durchmusterung ist ein wichtiges Werkzeug bei der Untersuchung der verteilung Dunkler Materie in Galaxien. Die Dunkle Materie ist eine geheimnisvolle Substanz, die Licht weder emittiert noch absorbiert, und die nur über die Wirkung ihrer Schwerkraft auf andere Objekte nachgewiesen werden kann. Einige der näher liegenden Galaxien auf dem Bild fungieren als Linsen, die das Licht der dahinterliegenden Galaxien ablenken. Über die Messung der dadurch entstehenden Verzerrung des Bildes, einen Effekt den man den Gravitationslinseneffekt nennt, können Astronomen die Verteilung der Dunklen Materie in den Linsengalaxien berechnen.

Die Verzerrung ist sehr schwach und daher für das bloße Auge nahezu unmerklich. Da eine Himmelsdurchmusterung in 17 Farbbändern aber besonders präzise Entfernungsmessungen ermöglicht, kann man auch ermitteln, ob zwei Galaxien, die am Himmel nahe beieinanderstehen, nicht deutlich voneinander abweichende Entfernungen von der Erde haben. Nahcdem man solche Linsensysteme identifiziert hat, lässt sich die Verzerrung bestimmen, indem man über mehrere Tausend Galaxien mittelt. Im Rahmen der COMBO-17-Durchmusterung konnten mehr als 4000 solche Gravitatinslinsensysteme identifiziert werden - eine hervorragende Methode um die Dunkle materie besser zu verstehen.

Dieses Bild  wurde aus den Aufnahmen von dreien der 17 Filter des Projektes zusammengesetzt: B (blau), V (grün) und R (rot). Daten, die mit zusätzlichen Nahinfrarotfiltern aufgenommen wurden, sind ebenfalls Bestandteil.

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3. Januar 2012

Einblicke in die Vergangenheit - das La Silla-Observatorium damals und heute

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Unser erster Halt auf dieser Reise durch die Zeit ist La Silla, der erste Observatoriumsstandort der ESO. Die historische Aufnahme wurde Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre vom Kuppelgebäude des 1,52-Meter-Teleskops der ESO aus aufgenommen, das 1968 sein First Light hatte. Das zweite, aktuelle Bild zeigt, wie stark sich das Observatorium im Lauf der Jahrzehnte verändert hat. Im interaktiven Vergleichsbild lässt sich dies direkt sehen.

Auf dem historischen Foto sehen wir rechts im Vordergrund das 1-Meter-Teleskop der ESO und dahinter Teile des Grand Prism Objectif (GPO). Das dritte Teleskop auf dem Bild ist das 1-Meter-Schmidtteleskop auf der linken Seite. Dahinter erkennt man die Wassertanks des Observatoriums

Spult man die Zeit bis zum heutigen Tag vor, sieht man, wie La Silla sich weiterentwickelt hat. Viele weitere Teleskope sind hinzugekommen: Das 3,6-Meter-Teleskop der ESO und das benachbarte Coudé Auxiliary Telescope ragen nun vom Gipfel des Berges auf. Der eckige Schutzbau auf der linken Seite neben den Wassertanks gehört zum New Technology Telescope (NTT). Die Antennenschüssel des Schwedisch-ESO Submillimeterteleskops (SEST) mit 15 Metern Durchmesser schaut ganz rechts über den Horizont.

Das aktuelle Foto wurde von einer leicht geänderten Position auf dem Gebäude des 1.52-Meter-Teleskops aus aufgenommen, so dass das GPO vollkommen hinter dem 1-Meter-Teleskop verborgen ist. Der weiße Kuppelbau direkt hinter dem 1-Meter-Teleskop gehört zum dänischen 1,54-Meter-Teleskop. In der Bildmitte sieht man die silberfarbene Kuppel des MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskops.

Während einige der gezeigten Teleskope, wie das 1-Meter- und das 1,52-Meter-Teleskop der ESO oder SEST nicht mehr in Betrieb sind, wird mit anderen nach wie vor an vorderster Front geforscht. Das 3,6-Meter-Teleskop ist mit dem HARPS-Instrument ausgerüstet, dem weltweit führenden Exoplanetenjäger (siehe eso1134 für einige der neuesten Ergebnisse). Das NTT war vor kurzem daran beteiligt, die Entstehung massereicher Sterne zu erklären (siehe eso1029). Beide Teleskope haben außerdem wichtige Daten zur Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums beigetragen – dafür wurde 2011 der Nobelpreis für Physik vergeben. Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop hat generiert einen ganz besonderen Datenschatz erzeugt: atemberaubende Weitfeldaufnahmen, mit denen sich Gammastrahlenausbrüche untersuchen lassen, die explosivsten Ereignisse im Universum überhaupt.

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12. Dezember 2011

ALMAs Welt bei Nacht

Diese Panoramaaufnahme des Chajnantor-Plateaus spannt sich über ein Gesichtsfeld von etwa 180° von Norden (linker Bildrand) bis nach Süden (rechter Bildrand) und zeigt die Antennenschüsseln des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) verteilt entlang einer unwirklichen Landschaft. Einige bekannte Himmelsobjekte sind hinter ihnen am Himmel zu sehen. Der hier gezeigte kristallklare Nachthimmel macht deutlich, warum Chile nicht nur die Heimat von ALMA, sondern auch vieler weiterer astronomischer Einrichtungen ist. Das Bild ist nur ein Teil eines nochmal größeren Panoramas von Chajnantor.

Im Vordergrund des Bildes sieht man die 12 Meter durchmessenden ALMA-Antennen, die wie ein einziges großes Teleskop zusammenarbeiten, während der ersten Phase wissenschaftlicher Beobachtungen in Aktion. Ganz links wird die Gruppe der kleineren 7-Meter-Antennen angeleuchtet. Obwohl sie im Bild nicht sichtbar ist, lässt die Mondsichel alle Antennen Schatten werfen.

Der hellste "Stern" am Himmel über den Antennen ist in Wirklichkeit gar keiner - sondern der Planet Jupiter. Der große Gasriese ist nach Mond und Venus das dritthellste natürliche Himmelsobjekt am Nachthimmel. Rechts im Bild erkennt man die Große und die Kleine Magellanschen Wolke. Die Große Magellansche Wolke direkt über der Antenne ganz rechts erinnert an Rachschwaden. Die Kleine Magellansche Wolke steht etwas höher am Himmel in Richtung der oberen rechten Bildecke. Beide "Wolken" sind in Wirklichkeit irregulär geformte Zwerggalaxien, die die Milchstraße in Entfernungen von jeweils 160.000 und 200.000 Lichtjahren umkreisen.

Am linken Bildrand, knapp links von den Vordergrundantennen, sieht man den langezogenen Fleck der Andromedagalaxie. Sie ist zehn mal so weit entfernt wie die Magellanschen Wolken und die nnächstgelegene größere Nacbargalaxie. Die Andromedagalaxie ist außerdem die größte Galaxie in der sogenannten Lokalen Gruppe - einer Ansammlung von ca. 30 Galaxien inklusive unserer Milchstraße - und enthält eine Billion Sterne, also doppelt so viele wie unsere Heimatgalaxie. Sie ist die einzige große Galaxie, die problemlos mit bloßem Auge zu erkennen ist. In diesem Bild ist nur ihr Kernbereich zu sehen, insgesamt zieht sie sich allerdings über eine Länge von sechs Vollmonddurchmessern am Himmel.

Die Aufnahme stammt von Babak Tafreshi, dem neuesten Mitglied der ESO-Fotobotschafter. Babak ist außerdem Gründer von The World at Night, einem Programm zur Gestaltung und Ausstellung atemberaubender Fotografien und Zeitrafferaufnahmen der weltweit schönsten und historischen Stätten vor nächtlicher Kulisse von Sternen, Planeten und Himmelsereignissen.

ALMA wird zur Zeit auf dem Chajnantor-Plateau in einer Höhe von 5000 Metern über dem Meeresspiegel gebaut. Das Observatorium hat am 30. September 2011 mit den ersten wissenschaftlichen Beobachtungen begonnen und wird nach Fertigstellung aus insgesamt 66 Antennenschüsseln bestehen, die zu einem einzigen großen Teleskop zusammengeschaltet werden. ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ) für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory (NRAO) für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory (JAO) übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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28. November 2011

Eine Galaxie voller Überraschungen – NGC 3621 hat keine Ausbuchtung, dafür aber drei zentrale Schwarze Löcher

Dieses Bild vom Very Large Telescope (VLT) der ESO, zeigt eine wirklich bemerkenswerte Galaxie, die als NGC 3621 bekannt ist. Zunächst einmal ist sie eine reine Scheibengalaxie. Wie andere Spiralgalaxien besteht sie aus einer flachen Scheibe, die von Linien dunklen Materials durchzogen wird und hat ausgeprägte Spiralarme, in denen sich junge Sterne in Haufen bilden (die blauen Flecken, die man im Bild sehen kann). Aber während die meisten Spiralgalaxien eine zentrale Ausbuchtung haben (den sogenannten Bulge), eine große Ansammlung alter Sterne, die in eine kompakte, sphärische Region gepackt sind, hat NGC 3621 keine. Auf diesem Bild wird klar, dass es einfach einen Helligkeitsanstieg zum Zentrum hin gibt, aber keinen wirklichen Bulge wie zum Beispiel den in NGC 6744 (eso1118).

NGC 3621 ist auch interessant, weil man davon ausgeht, dass sich in ihrem Zentrum ein aktives supermassereiches Schwarzes Loch in ihrem Zentrum befindet, das Materie verschluckt und Strahlung produziert. Dies ist etwas ungewöhnlich, weil die meisten dieser sogenannten aktiven galaktischen Kerne (engl. Active Galactic Nuclei, kurz AGN) in Galaxien mit deutlicher Ausbuchtung vorkommen. Man glaubt, das supermassereiche Schwarze Loch habe in diesem besonderen Fall, eine relativ kleine Masse, ungefähr 20.000 mal soviel wie die Sonne.

Eine andere bemerkenswerte Eigenheit scheinen auch zwei kleinere Schwarze Löcher mit einigen tausend Sonnenmassen in der Nähe des Kerns der Galaxie zu sein. Deshalb ist NGC 3621 ein extrem interessantes Objekt, das, obwohl sie keine zentrale Ausbuchtung hat, doch ein System von drei Schwarzen Löchern in ihrer Zentralregion besitzt.

Diese Galaxie liegt im Sternbild Hydra (die Wasserschlange) und man kann sie mit einem mittelgroßen Teleskop sehen. Dieses Bild, welches unter Gebrauch von B-, V-, und I-Filtern mit dem FORS1-Instrument am VLT aufgenommen wurde, zeigt erstaunliche Einzelheiten in diesem seltsamen Objekt und enthüllt eine Vielzahl von Hintergrundgalaxien. Auch eine Anzahl heller Vordergrundsterne, die zu unserer eigenen Milchstraße gehören, sind sichtbar.


5. September 2011

Laser trifft Blitz

Am Donnerstag, dem 18. August 2011, bot der Himmel über der Allgäuer Volkssternwarte Ottobeuren einen spektakulären Anblick: zwei gleichermaßen beeindruckende und doch sehr verschiedene Phänomene erhellten die Nacht. Eines davon war ein Beispiel für modernste Technologie, das andere für die ehrfurchtgebietende Kraft der Natur.

Während die ESO dort das neue Wendelstein-Laserleitsternsystem getestet hat, näherte sich eines der für diese Region typischen heftigen Sommergewitter der Sternwarte und demonstrierte eindrucksvoll, warum die Teleskope der ESO eigentlich in Chile und nicht in Deutschland stehen. Aus den dicken grauen Wolken zucken Blitze, während Martin Kornmesser – bei der ESO-Öffentlichkeitsarbeit zuständig für künstlerische Darstellungen – Zeitrafferaufnahmen des Lasertests für ESOcast 34 anfertigte. Das hier gezeigte Foto wurde zufällig genau in dem Moment aufgenommen, als ein Blitz die Szenerie erhellte. Obwohl das Gewitter noch weit entfernt war, scheint der Blitz fast wie in einem Science Fiction-Film mit dem Laserstrahl zu kollidieren.

Laserleitsterne sind künstliche Sterne, die in einer Höhe von 90 Kilometern in der Erdatmosphäre mit Hilfe starker Laserstrahlen erzeugt werden. Sie werden bei der sogenannten adaptiven Optik als Referenzobjekt verwendet, um die störenden Einflüsse der Erdatmosphäre bei astronomischen Beobachtungen zu korrigieren. Das Wendelstein-Laserleitsternsystem ist eine neuartige Konstruktion, bei der der Laser mit einem kleinen Teleskop zu einer modularen Anlage kombiniert wird, um den Laserstrahl in die Hochatmosphäre zu senden. Dieses System kann so auf größere Teleskope quasi aufgesattelt werden.

Der auf dem Foto sichtbare Laserstrahl ist mit einer Ausgangsleistung von 20 Watt bereits relativ stark, wobei die Energie gebündelt in Form von sehr kurzen Pulsen abgegeben wird. Für winzige Bruchteile einer Sekunde erreichen die Laserblitze so eine maximale Leistung von einer Billion Watt! Kurz nachdem das Bild aufgenommen wurde, erreichte das Gewitter das Observatorium und beendete so die Lasertests in dieser Nacht. Obwohl wir heute in der Lage sind, so fortschrittliche Technologien wie die Laserleitsterne zu entwickeln, müssen wir uns manchmal dennoch Naturgewalten wie dem Wetter beugen.

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