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Weltweit größter konvexer Spiegelrohling bereit für den letzten Schliff

Der M2-Rohling des ELT wird nach Frankreich zum Feinpolieren geliefert

16. Januar 2019

Die Arbeiten an der aufwendigen Optik des 39 Meter großen Extremely Large Telescope (ELT) der ESO haben nach dem erfolgreichen Gießen, Ausglühen, Keramisieren, Bearbeiten und Säureätzen des Substrats des Sekundärspiegels M2 des ELT einen großen Schritt nach vorne gemacht. Dieser massive 3 Tonnen schwere Spiegelrohling wurde von der deutschen Firma SCHOTT [1] erfolgreich aus einer Rohplatte des ausdehnungsarmen Keramikmaterials ZERODUR in seine nahezu endgültige Form gebracht. Die Herstellung dieses technologischen Meisterwerks war ein anspruchsvoller Prozess, der modernste CNC-Maschinen erforderte, um den Spiegelrohling korrekt zu schleifen. Jetzt, sicher verstaut in einer extra großen Transportkiste, wird der Rohling nach Frankreich verschifft, um von der Firma Safran Reosc geschliffen und poliert zu werden.

Obwohl es der Sekundärspiegel des ELT ist, hat der M2 immer noch einen beeindruckenden Durchmesser von 4,25 Metern – größer als der Primärspiegel vieler heute betriebener astronomischer Teleskope. Nach sechzehn Monaten Präzisionsfertigung bei SCHOTT erhält der M2 nun bei Safran Reosc den letzten Schliff – genauer gesagt die Feinpolitur. Das französische Unternehmen wird den Spiegel auf 15 Nanometer genau über die gesamte optische Oberfläche polieren. Eine letzte Schicht aus reflektierendem Silber und eine hauchdünne Schutzschicht aus Siliziumoxid werden von der ESO in einer Beschichtungsanlage am Paranalobservatorium der ESO in Chile aufgebracht.

Der M2 wird der größte jemals an einem Teleskop verwendete Sekundärspiegel und der größte jemals hergestellte konvexe Spiegel sein. Die Herstellung dieses hochkonvexen, asphärischen Spiegels stellt eine große Herausforderung dar –  das Ergebnis wird ein wirklich bemerkenswertes Beispiel für zukunftsweisende optische Technik sein. Der Sekundärspiegel und sein 12 Tonnen schweres Trägersystem werden kopfüber hoch über dem 39 Meter großen Primärspiegel hängen.

Endnoten

[1] ZERODUR Keramikglas wurde Ende der 1960er Jahre ursprünglich für astronomische Teleskope entwickelt. Es hat fast keine thermische Ausdehnung, so dass sich das Material auch bei großen Temperaturschwankungen nicht ausdehnt. Chemisch ist das Material sehr widerstandsfähig und kann auf hohem Niveau poliert werden. Die Reflexionsschicht aus Aluminium oder Silber wird in der Regel kurz vor der Inbetriebnahme des Teleskops auf die extrem glatte Oberfläche aufgetragen. Viele bekannte Teleskope mit ZERODUR Spiegeln arbeiten seit Jahrzehnten zuverlässig, darunter das Very Large Telescope der ESO auf dem Cerro Paranal in Chile.

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Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6670
Email: pio@eso.org

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ID:ann19003

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Leere Leinwand: der M2-Spiegelrohling des ELTs
Leere Leinwand: der M2-Spiegelrohling des ELTs
Teamleistung
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Rohlingstresor
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Glastransport
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