eso1009de-ch — Bildveröffentlichung

Wählen Sie Ihre Sprache:

Die kosmische Fledermaus

Sternentstehung in den Randgebieten des Orion

3. März 2010

Ein von der ESO neu veröffentlichtes Bild zeigt den filigranen Nebel NGC 1788, der in einer dunklen und oft übersehenen Ecke des Sternbilds Orion liegt. Obwohl diese geisterhafte Wolke weitab von den hellen Sternen des Orion liegt, dürften Teilchenwinde und Licht dieser Sterne den Nebel entscheidend beeinflusst haben, und auch für die Geburt der Vielzahl seiner jungen Sterne verantwortlich gewesen sein.

Orion, der Himmelsjäger, ist eines der bekanntesten Sternbilder überhaupt. NGC 1788, ein kosmisches Schmuckstück, das einige Winkelgrad von den Gürtelsternen des Orion entfernt liegt, ist dagegen weitgehend unbekannt. Bei NGC 1788 handelt es sich um einen Reflexionsnebel, in dem Gas und Staub das Licht einer Gruppe junger Sterne so streuen, dass von der Erde aus gesehen ein leuchtendes Gebilde entsteht, das vage an eine gigantische Fledermaus mit ausgebreiteten Flügeln erinnert.

In dem nun veröffentlichten Bild sind nur wenige der Sterne zu sehen, die der Nebel beherbergt – die meisten der jungen Sterne verstecken sich in den Staubkokons, in denen sie zuvor entstanden sind. Der auffälligste Stern des Haufens ist HD 293815, ein heller Stern im oberen Teil der Wolke, im Bild oberhalb der Bildmitte und des markanten dunklen Staubbandes sichtbar, das sich durch den Nebel zieht.

Obwohl der Reflexionsnebel deutlich abseits der hellen, massereichen Sterne der Orion-OB-Assoziation liegt – einer losen Gruppierung von Sternen rund um die Gürtelsterne und das „Schwertgehänge“ des Orion – haben Beobachtungen von NGC 1788 und seiner weiteren Umgebung (weit jenseits des hier gezeigten Bildausschnitts) ergeben, dass diese hellen, massereichen Sterne eine entscheidende Rolle für die Entstehung von NGC 1788 gespielt haben. Die Sterne sind auch für das rote Leuchten des Wasserstoffbandes verantwortlich, das in der linken Bildhälfte zu sehen ist.

Die Sterne von NGC 1788 sind nach kosmischen Maßstäben sehr jung: Ihr Durchschnittsalter beträgt eine Million Jahre; ein sehr kurzer Zeitraum, verglichen mit den respektablen 4,5 Milliarden Jahren unserer Sonne. Detaillierte Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sterne in NGC 1788 ihrem Alter nach geordnet sind: An der linken Seite des roten Wasserstoffbandes finden sich die älteren Sterne, und rechts des Bandes die etwas jüngeren, aus denen auch der Sternhaufen besteht, der den Reflexionsnebel beleuchtet. Die jüngsten Sterne sind noch weiter rechts gelegen und sind auf dem hier gezeigten Bild nicht sichtbar: Sie befinden sich noch in den Staubkokons, in denen sie entstanden sind, und können nur durch Beobachtungen im Infrarot- oder Millimeterwellenbereich nachgewiesen werden.

Diese Sternverteilung, mit den ältesten Sternen auf der den Gürtelsternen zugewandten und den jüngsten auf der abgewandten Seite legt eine Sternentstehungswelle nahe, die von den heißen und massereichen Sternen der Orion-OB-Assoziation ausging und sich durch NGC 1788 und darüber hinaus ausbreitete.

Das Bild wurde mit dem Wide Field Imager erstellt, einer astronomischen Kamera mit besonders großem Blickfeld, die am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile installiert ist.

Weitere Informationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Dr. Martin Steinacher
ESO Science Outreach Network
Tel: +41 31 324 23 82
E-Mail: martin.steinacher@sbf.admin.ch

Henri Boffin
ESO La Silla-Paranal/E-ELT Press Officer
Garching, Germany
Tel: +49 89 3200 6222
Mobil: +49 174 515 43 24
E-Mail: hboffin@eso.org

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1009.
Bookmark and Share

Über die Pressemitteilung

Pressemitteilung Nr.:eso1009de-ch
Facility:MPG/ESO 2.2-metre telescope

Bilder

The Cosmic Bat — NGC 1788
The Cosmic Bat — NGC 1788
nur auf Englisch
Around NGC 1788
Around NGC 1788
nur auf Englisch

Videos

Zoom in onto NGC 1788
Zoom in onto NGC 1788
nur auf Englisch

Siehe auch