Die deutsche Beteiligung an der Europäischen Südsternwarte

Stand: 1.10.2012

Deutschland war Gründungsmitglied der Europäischen Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) und hatam 5. Oktober 1962 die ESO-Gründungsvereinbarung in Leiden mit unterzeichnet.

Im Siebenjahreszeitraum von 2005-2011 wurden Verträge über ein Finanzvolumen von mehr als 175 Millionen Euro mit der deutschen Industrie geschlossen. Dies beinhaltet auch Aufwendungen in Verbindung mit dem ESO-Hauptsitz in Garching.

Derzeitige Nutzung von ESO-Einrichtungen durch deutsche Astronomen

Die Statistiken der letzten zehn Jahre haben ergeben, dass deutsche Astronomen Beobachtungszeit für fast 6000 Nächte am Very Large Telescope (VLT) der ESO beantragt haben. Dies entspricht 18,0% aller beantragten Beobachtungen. Im selben Zeitraum wurde deutschen Astronomen insgesamt 2100 Beobachtungsnächte zugesprochen, was einenm Anteil von 18,8% entspricht. Deutschland ist daher der bei weitem größte Nutzer der ESO-Einrichtungen (gefolgt von Frankreich mit 14,0%). 35,0% der Anträge auf Beobachtungszeit von deutschen Astronomen werden bewilligt, was über dem Durchschnitt aller Anträge von 33,7% liegt. Deutsche Astronomen sind daher etwas erfolgreicher als diejenigen aus den anderen Mitgliedsländern. (Der Anteil von etwa 5% an der Beobachtungszeit, der an Nicht-Mitgliedsländer vergeben wird, ist hier nicht miteingerechnet.)

Deutsche Beteiligung an wissenschaftlichen Instrumenten am VLT

Viele der Instrumente am VLT wurden von deutschen Forschungseinrichtungen gebaut. Das meistgenutzte Instrument FORS (der Focal Reducer and Spectrograph, wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") wurde gemeinsam von deLandesssternwarte in Heidelberg, der Universität Göttingen und den der Universitätssternwarte München entwickelt und gebaut. Auch an den Instrumenten SINFONI, NACO, MIDI, OmegaCAM und bei der Entwicklung interferometrischer Instrumente war Deutschland beteiligt. Insgesamt ist Deutschland bei etwa einem Drittel aller Instrumente involviert. Deutsche Astronomen sind außerdem an der Entwicklung von PRIMA, KMOS, SPHERE, MUSE, GRAVITY und MATISSE beteiligt. Damit ist Deutschland bei insgesamt sechs der sieben VLT-Instrumente der zweiten Generation involviert.

Entdeckungen von Astronomen an deutschen Forschungsinstituten, die mit ESO-Teleskopen gemacht wurden

Die Hälfte der zehn herausragendsten wissenschaftlichen Ergebnisse der ESO (/public/germany/science/top10.html) sind unter Beteiligung von Astronomen an deutschen Instituten zustandegekommen. Die bedeutendste Entdeckung, die Untersuchung des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße, wurde von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Extraterrestrische Physik in Garching geleitet.

Sterne auf ihrer Umlaufbahn um das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße
In einer fast 20 Jahre währenden Studie wurden mehrere der besten Teleskope der ESO eingesetzt, um die Bewegung dieser Sterne um das Schwarze Loch, das sich im Herzen unserer Galaxis verbirgt, so detailliert zu verfolgen wie nie zuvor. Diese Studie wurde vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching geleitet.
Schödel et al. 2003 (Telbib),
Gillessen et al. 2009 (Telbib)
Weitere Informationen in den ESO-Pressemitteilungen eso0226, eso0846 und eso1151. Der Crafoord-Preis in Astronomie 2012 wurde für diese Forschugnsergebnisse verliehen.

Der Zusammenhang von Gammastrahlenausbrüchen mit Supernovae und verschmelzenden Neutronensternen
Teleskope der ESO haben gezeigt, dass Gammastrahlenausbrüche längerer Dauer mit Supernovaexplosionen zusammenhängen, die das Leben massereicher Sterne beenden. Mit einem der Teleskope auf La Silla konnte man außerdem erstmals das optische Nachleuchten eines Gammastrahlenausbruchs kürzerer Dauer beobachten und so zeigen, dass derartige Ereignisse auf die Kollision zweier verschmelzender Neutronensterne zurückgehen dürften.
Galama T.J., et al., 1998, Nature
Hjort et al., 2003 (Telbib)
Hjorth, J., et al., 2005, Nature
Pian, E., et al., 2006, Nature
Weitere Informationen in den ESO-Pressemitteilungen eso0318 und eso0533

Helligkeitsausbrüche vom supermassereichen Schwarzen Loch der Milchstraße
Das VLT und APEX haben gemeinsam gewaltsame Ausbrüche in der Nähe des supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße untersucht. Dabei wurde Material gefunden, das auf seiner Umlaufbahn im starken Gravitationsfeld nahe des Schwarzen Lochs über einen weiten Bereich verteilt wird. Zusätzlich haben sich in exzellenten VLT-Daten Helligkeitsausbrüche aus der Umgebung des Schwarzen Lochs im Infraroten gezeigt. Dies deutet darauf hin, dass das Schwarze Loch sehr schnell rotiert.
Eckart, A. et al, 2008, A&A
Eisenhauer, F. et al, 2005, ApJ
Weitere Informationen in der ESO-Pressemitteilung eso0841

Direkte Beobachtungen der Atmosphären von Exoplaneten
Mit dem VLT hat man die Atmosphäre einer Supererde analysiert, also eines Exoplaneten mit nur wenigen Erdmassen. Der Planet mit der Bezeichnung GJ 1214b zieht auf seiner Umlaufbahn regelmäßig vor seinem Mutterstern vorbei. Dabei durchleuchtet ein kleiner Teil des Sternlichts auf dem Weg zur Erde die Atmosphäre des Planeten. Dieses Licht haben die Astronomen näher untersucht.
Bean, J. et al, 2010, Nature
Janson, M. et al, 2010, ApJ
Weitere Informationen in den ESO-Pressemitteilungen eso1047 und eso1002

Die größte Planetenfamilie
Mit dem HARPS-Instrument haben Astronomen ein Planetensystem um den sonnenähnlichen Stern HD 10180 entdeckt, das mindestens fünf Planeten enthält. Es gibt außerdem Anhaltspunkte dafür, dass noch zwei weitere Planeten vorhanden sind. Einer davon wäre der leichteste Planet, den man bislang entdeckt hätte. Hinzu kommen Hinweise darauf, dass die Entfernungen dieser Planeten von ihrem Stern einem regelmäßigen Schema folgen, ähnlich wie es in unserem Sonnensystem der Fall ist.
Lovis, C. et al, 2010, A&A
Weitere Informationen in der ESO-Pressemitteilung eso1035

Die folgende Liste führt zu wissenschaftlichen ESO-Pressemitteilungen aus den Jahren 2011/12 mit Beteiligung von Astronomen, die an deutschen Instituten arbeiten (abgesehen von der ESO selber). Jede Meldung basiert auf bedeutenden begutachteten Artikeln in wissenschaftlichen Fachzeitschriften:

Anzahl deutscher Astronomen und weiterer Mitarbeiter bei der ESO

Im September 2012 waren 145 deutsche Staatsangehörige bei der ESO beschäftigt, 126 davon in Garching und 19 in Chile.

Deutsche Beiträge zu ALMA

Im Siebenjahreszeitraum von 2005-2011 wurden im Rahmen des ALMA-Projekts Aufträge mit einem Finanzvolumen von mehr als 52 Millionen Euro mit deutschen Firmen geschlossen.

Deutsche Beiträge zum VLT

Im Siebenjahreszeitraum von 2005-2011 wurden im Rahmen des VLT-Projekts Aufträge mit einem Finanzvolumen von knapp sieben Millionen Euro mit deutschen Firmen geschlossen.

Deutsche Beiträge zum E-ELT

Im Siebenjahreszeitraum von 2005-2011 wurden im Rahmen des E-ELT-Projekts Aufträge mit einem Finanzvolumen von mehr als fünf Millionen Euro mit deutschen Firmen geschlossen.

Weitere Verträge der ESO mit deutschen Firmen

Im Siebenjahreszeitraum von 2005-2011 wurden weitere Aufträge mit einem Finanzvolumen von mehr als 105 Millionen Euro mit deutschen Firmen geschlossen. Dies beinhaltet auch Aufwendungen in Verbindung mit dem ESO-Hauptsitz in Garching.