Bild der Woche

22. Oktober 2012

Der Bau von VISTA, dem weltweit größten Durchmusterungsteleskop

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Seit Dezember 2009 durchmustert das Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) den südlichen Himmel vom Paranal-Observatorium der ESO in Chile aus. Unser Fotografienpaar zeigt diesen Monat das VISTA-Teleskop während des Baus und in den heutigen Tagen.

Das ältere Bild, aufgenommen in der zweiten Jahreshälfte von 2004, zeigt das Gebäude des Telskops im Bau. Das Skelett des Schutzbaus ist auf der kreisförmigen Basis sichtbar, umgeben von einem nur zwischenzeitlich montierten Gerüst. VISTA steht auf einem Gipfel ungefähr 1500 Meter nordöstlich vom Cerro Paranal, dem Standort vom Very Large Telescope der ESO. Der Gipfel wurde um fünf Meter auf 2518 Meter Höhe erniedrigt, um eine etwa 4000 Quadratmeter große Plattform für den Bau zu schaffen.

Das heutige Bild zeigt das vollständige VISTA-Teleskop. Der Teleskopschutzbau hat 20 Meter Durchmesser und schützt das Teleskop vor Wind und Wetter. Zwei Gleittore bilden den Spalt, durch den das Teleskop beobachtet. Der Windschutz kann bei Bedarf zum Schließen von Teilen des Spalts ausgefahren werden. Zusätzliche Öffnungen im Schutzbau ermöglichen eine Kontrolle der Belüftung während der Nacht. Der im Bild sichtbare Anbau beherbergt Instandhaltungsgeräte und eine Anlage, um die dünne reflektierende Silberbeschichtung des Teleskopspiegels zu erneuern.

VISTA arbeitet im Nahinfrarotbereich mit einer drei Tonnen schweren 67-Megapixel-Kamera. Sein großer Spiegel, das große Gesichtsfeld und die sehr empfindlichen Infrarotdetektoren machen es zum weltweit größten Durchmusterungsteleskop.

VISTA wurde durch ein Konsortium von 18 Universitäten iin Großbritannien, angeführt von der Queen Mary University of London konzipiert und entwickelt und ging als Sachleistung und als Teil der Beitrittsvereinbarung Großbritanniens an die ESO. Das Projektmanagement für die Teleskopauslegung und den Bau hielt das britische Astronomy Technology Centre (UK ATC) des Science and Technology Facilities Council (STFC) inne.

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15. Oktober 2012

Vom kosmischen Reifen zur himmlischen Blüte

IC 5148 ist ein wunderschöner planetarischer Nebel in etwa 3000 Lichtjahren Entfernung und liegt im Sternbild Grus (der Kranich). Der Nebel hat einen Durchmesser von einigen Lichtjahren und wächst mit über 50 Kilometern pro Sekunde – einer der am schnellsten expandierenden planetarischen Nebel. Der Begriff „planetarischer Nebel“ entstand im 19. Jahrhundert nach den ersten Beobachtungen dieser Objekte durch die damals verfügbaren kleinen Teleskope – sie sahen aus wie die großen Gasplaneten. Die wahre Natur der planetarischen Nebel ist allerdings völlig anders. 

Wenn ein Stern mit einer Masse ähnlich oder mehr als der Masse der Sonne sein Lebensende erreicht, werden seine äußeren Schichten in den Raum geworfen. Das expandierende Gas wird vom heißen, zurückbleibenden Kern des Sterns im Zentrum beleuchtet und formt den planetarischen Nebel, der oft eine wunderschön leuchtende Struktur besitzt.

Bei Beobachtung mit einem kleinen Amateurteleskop zeigt dieser spezielle planetarische Nebel einen Ring aus Materie mit dem leuchtenden Stern, der abkühlt und so zu einem Weißen Zwerg wird, in der Mitte des zentralen Lochs. Dieses Aussehen brachte Astronomen auf den Spitznamen „Der Ersatzreifen“.

Die ESO Faint Object Spectrograph and Camera (EFOSC2) am New Technology Telescope auf La Silla zeigt, wie elegant dieses Objekt eigentlich ist. Statt wie ein Ersatzreifen sieht der Nebel ähnlich wie eine himmlische Blume mit verschachtelten Blütenblättern aus.


8. Oktober 2012

Eine besondere Aussicht vor Sonnenuntergang

Das Paranal-Observatorium der ESO –gelegen in der chilenischen Atacama-Region – ist den meisten durch das Very Large Telescope (VLT) bekannt, das Flaggschiff der ESO unter den Teleskopanlagen. Außerdem ist die Anlage während der letzten Jahre noch zusätzlich die Heimat zweier hochmoderner Durchmusterungsteleskope geworden. Diese beiden Mitglieder der Paranalfamilie wurden entwickelt, um schnell und tief große Bereiche des Himmels abzubilden.

Eines von Ihnen, das Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) mit 4,1 Metern Durchmesser, ist nicht weit entfernt vom Paranal auf einem Nachbargipfel untergebracht. Es ist in dieser wunderschönen Aufnahme des ESO-Fotobotschafters Babak Tafreshi abgebildet. VISTA ist das weltweit größte Durchmusterungsteleskop und ist seit Dezember 2009 in Betrieb.

In der rechten unteren Ecke des Bildes ist der Schutzbau von VISTA vor einer scheinbar endlosen Bergkette abgebildet, die sich bis zum Horizont erstreckt. Bei einsetzendem Sonnenuntergang erzeugen die Berge längere Schatten, die langsam die herrlichen Brauntöne der Landschaft rund um den Paranal bedecken. Bald wird die Sonne unter dem Horizont verschwinden und alle Teleskope auf dem Paranal werden mit den nächtlichen Beobachtungen beginnen.

VISTA ist ein Teleskop mit großem Gesichtsfeld, entwickelt um den Südhimmel im Infrarotbereich mit hoher Empfindlichkeit abzubilden und den Astronomen die Entdeckung schwacher Objekte zu ermöglichen. Das Ziel dieser Durchmusterungen ist die Erzeugung großer Kataloge von Himmelsobjekten für statistische Untersuchungen und die Identifikation von neuen Zielen, die im Detail durch das VLT beobachtet werden können.

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1. Oktober 2012

Der Vulkankegel Licancabur wacht über Chajnantor

Diese eindrucksvolle Panoramaaufnahme zeigt das Chajnantor-Plateau, die Heimat des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA), mit dem majestätischen Vulkan Licancabur im Hintergrund. Unter den wachsamen Augen des Licancabur sammelt sich ein Wald aus Büßereis (auf Spanisch „penitentes”) im Vordergrund. Büßereis ist ein besonderes Naturphänomen, das nur in hochgelegenen Gebieten auftritt. Es handelt sich dabei um dünne Zacken aus gehärtetem Schnee oder Eis mit scharfen Kanten, die zur Sonne zeigen und Höhen von wenigen Zentimetern bis hin zu mehreren Metern erreichen. Weitere Informationen dazu finden Sie in der Beschreibung eines früheren Bildes der Woche (potw1221).

Der Vulkan Licancabur erreicht eine Höhe von 5920 Metern und ist der bekannteste seiner Art in der Umgebung von San Pedro de Atacama in Chile. Seine konische Form ist fast unverwechselbar, so dass er auch aus der Ferne erkannt werden kann. Er befindet sich im südlichsten Teil der Grenze zwischen Chile und Bolivien. Der Gipfelkrater enthält einen der höchstgelegenen Seen der Welt. Biologen interessieren sich dafür, wie Mikroorganismen es schaffen in dieser rauhen Umgebung bei der dünnen Atmosphäre, niedrigen Temperaturen und trotz starker UV-Belastung zu überleben. Die Überlebensstrategien des mikroskopischen Lebens im See von Licancabur könnten uns Hinweise darauf liefern, wie es früher um die Wahrscheinlichkeit für Leben auf dem Mars bestellt war.

Dieses Foto wurde von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi in der Nähe der ALMA-Anlage aufgenommen.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.


24. September 2012

Eine schwierige Arbeitsnacht steht bevor

Der Sonnenuntergang ist typischerweise ein Zeichen, dass der Arbeitstag vorbei ist. Die Stadtbeleuchtung wird langsam eingeschaltet, wenn die Menschen nach Hause kommen um ihren Feierabend und eine gute Nacht zu genießen. Das gilt nicht für Astronomen, die an einer Sternwarte wie dem Paranal-Observatorium der ESO in Chile arbeiten. Die Beobachtungen beginnen, sobald die Sonne unter dem Horizont verschwunden ist. Alles muß vor der Dunkelheit vorbereitet sein.

Dieses Panoramafoto zeigt das Very Large Telescope (VLT) der ESO vor dem wunderschönen Dämmerungslicht auf dem Cerro Paranal. Im Bild fallen die geöffneten Schutzbauten des VLT und die darin enthaltenen Teleskope auf, die für eine Nacht zum Studium des Universums vorbereitet werden. Das VLT ist das weltweit leistungsstärkste optische Teleskop, bestehend aus vier Hauptteleskopen mit Primärspiegeldurchmessern von 8,2 Metern und vier beweglichen Hilfsteleskopen mit Hauptspiegeln von 1,8 Meter Durchmesser, die in der linken Bildecke sichtbar sind.

Die Teleskope können zu einem einzigen riesigen Teleskop zusammengeschaltet werden, dem Very Large Telescope Interferometer (VLTI), das Astronomen die Beobachtung feinster Details erlaubt. Diese Konfiguration wird nur zu einer begrenzten Anzahl von Nächten benutzt. Die meiste Zeit arbeiten die vier 8,2-Meter -Hauptteleskope einzeln.

Über die letzten 13 Jahre hat das VLT der beobachtenden Astronomie einen riesigen Fortschritt verschafft. Mit der Einführung des VLT hat die europäische Gemeinschaft ein neues Zeitalter von Entdeckungen eingeläutet, zum Beispiel die Bewegung der Sterne, die das zentrale Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße umkreisen oder das erste Bild eines extrasolaren Planeten, die zwei aus den drei wichtigsten Entdeckungen aus den Top 10 der astronomischen Entdeckungen der ESO sind.

Die vier Hauptteleskope sind nach himmlischen Objekten der Mapuche in der alten, einheimischen Sprache der Ureinwohner Chiles und Argentiniens benannt. Von links nach rechts sehen wir Antu (UT1, die Sonne), Kueyen (UT2, der Mond), Melipal (UT3, das Kreuz des Südens) und Yepun (UT4, die Venus).

Dieses Foto wurde von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi aufgenommen.


17. September 2012

ALMA und eine sternklare Nacht— ein unvergesslicher Anblick

Ein kristallklarer Himmel ist immer schön anzusehen. Aber auf dem Chajnantor-Plateau auf 5000 Metern Höhe in den chilenischen Anden – einem der besten Beobachtungsorte der Welt für astronomische Beobachtungen – kann er zu einer Erfahrung werden, an den Sie sich ihr ganzes Leben erinnern werden.

Dieses Panoramabild zeigt die Antennenschüsseln des Atacama Large Millimeter/submillimeter Arrays (ALMA) vor einem atemberaubend sternklaren Nachthimmel.

Im Vordergrund sieht man einige von ALMAs Antennen, wie sie zusammenarbeiten. Das Plateau erscheint verzerrt, ein Effekt der verwendeten Weitwinkeloptik. ALMA ist das weltweit leistungsstärkste Teleskop zur Beobachtung vom Submillimeter- und Millimeterwellenlängen. Der Aufbau von ALMA wird im Jahr 2013 fertiggestellt sein, dann werden 66 Präzisionsantennen am Beobachtungsstandort stehen. Momentan werden mit dem Teleskop erste wissenschaftliche Beobachtungen durchgeführt. Obwohl es noch nicht vollständig aufgebaut ist, produziert das Teleskop bereits jetzt herausragende Resultate, die die anderer Submillimeter-Anlagen übertreffen.

Über den Antennen scheinen unzählige Sterne wie entfernte Diamanten zu glitzern. Zwei weitere bekannte Himmelsobjekte sind sichtbar: Zum Einen wird das Bild vom Mond gekrönt. Vom Mond überstrahlt, kann man die Milchstraße als dunstigen Lichtstreifen am Himmel erkennen. Dunkle Regionen innerhalb des Lichtbands sind Bereiche, in denen das Licht von Hintergrundsternen durch interstellaren Staub verdeckt wird.

Dieses Foto wurde von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi aufgenommen. Tafreshi ist Initiator des Projekts The World at Night, einem Programm zur Gestaltung und Ausstellung atemberaubender Fotografien und Zeitrafferaufnahmen der weltweit schönsten und historischen Stätten vor nächtlicher Kulisse von Sternen, Planeten und Himmelsereignissen.  

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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10. September 2012

Ein zeitloses Asyl – Das ESO-Gästehaus damals und heute

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Diesen Monat zeigen wir Ihnen einen Teil der ESO, der nahezu zeitlos erscheint. Was könnte nach einem langen Interkontinentalflug nach Santiago de Chile oder einer Nachtschicht mit Beobachtungen an den Teleskopen besser sein als ein komfortabler Stützpunkt zur Entspannung und Erholung für den nächsten Teil der Reise? Seit den frühesten Jahren der Organisation hat das ESO-Gästehaus in Santiago den Besuchern der Observatorien in Chile genau das ermöglicht. Unsere „Damals und Heute“-Aufnahmen zeigen diesen Monat die Gästehaus-Lounge im Jahr 1996 und in der heutigen Zeit.

Das Gästehaus ist eine große Villa in einem ruhigen Teil der chilenischen Hauptstadt. Es ist unter ESO-Mitarbeitern und Gastwissenschaftlern auf der langen Reise zwischen Europa und den abgelegenen Observatoriumsanlagen als gastfreundlicher Ort zum Verweilen bekannt. Fast alle europäischen Astronomen, die La Silla, den Paranal oder Chajnantor besuchen, nutzen dieses Gästehaus als Durchgangsstation. Hier kann man sich von der Reise erholen, mit anderen Astronomen plaudern, sich auf seine Beobachtungen vorbereiten und – für Neuzugänge – vielleicht den ersten Blick auf den südlichen Nachthimmel zu werfen.

Anfang des Jahres 1964 wurde mit den zunehmenden ESO-Aktivitäten in Santiago beschlossen eine Reiseunterkunft in der Stadt zu bauen, so dass die ESO unabhängig vom dortigen Hotelangebot ist. Der Erwerb des Gästehauses wurde im März 1965 abgeschlossen und zunächst wurde es als Verwaltungsgebäude und Besucherunterkunft verwendet. In den frühen 1970ern wurden die offiziellen ESO-Büros in ein neues Gebäude in den Stadtteil Vitacura verlegt, ein paar Kilometer entfernt. Das Gästehaus konnte jetzt exklusiv für den Komfort und die Bequemlichkeit reisemüder Astronomen und anderer Mitarbeiter genutzt werden.

Wie auf den beiden Bildern zu sehen ist, hat sich das Gästehaus über die Jahre nicht stark verändert. Zwar ist mittlerweile WLAN verfügbar und eine moderne Kaffeemaschine steht bereit, aber das Gästehaus ist dennoch ein entspannender und friedlicher Zufluchtsort geblieben. Der perfekte Ort zur Vorbereitung auf strapaziöse, aber spannende Beobachtungsnächte und vielleicht auch auf die nächste große Entdeckung.

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3. September 2012

Eine überraschende Superblase

Diese farbenprächtige neue Ansicht zeigt die Sternentstehungsregion LHA 120-N44 [1] in der Großen Magellanschen Wolke, einer kleinen Begleitgalaxie der Milchstraße. Das Bild kombiniert Aufnahmen in sichtbaren Licht vom MPG/ESO 2.2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile mit Infrarot- und Röntgendaten von Satelliten-Observatorien.

Im Zentrum dieser sehr gas- und staubreichen Region voller junger Sterne liegt der Sternhaufen NGC 1929. Die massereichen Sterne dort produzieren intensive Strahlung und stoßen Materie bei hoher Geschwindigkeit als Sternwinde aus. Sie spurten durch ihr kurzes aber strahlend helles Leben bis zur Explosion als Supernova. Die Sternwinde und Supernova-Schockwellen haben eine riesige Aushöhlung im umgebenden Gas geformt, die man als Superblase bezeichnet.

Beobachtungen mit dem Röntgenobservatorium Chandra der NASA (hier in blau gezeigt) enthüllen heiße Regionen, die durch die Sternwinde und Schockwellen entstehen, während Infrarodaten des Spitzer Space Telescopes (gezeigt in rot) deutlich machen, wo sich Staub und kühleres Gas befinden. Das (in gelb gezeigte) sichtbare Licht vom MPG/ESO 2.2-Meter-Teleskop zeigt heiße, junge Sterne sowie das sie umgebende leuchtenden Gas und den dunklen Staub.

Die Kombination dieser unterschiedlichen Datensätze erlaubt Astronomen das Lösen eines Rätsels: Warum erzeugen N44 und vergleichbare Superblasen so starke Röntgenstrahlung? Die Antwort scheint zu sein, dass zwei zusätzliche Quellen starker Röntgenstrahlung existieren. Supernova-Schockwellen, die die Wände der Aushöhlung bestrahlen, und heißes Material, das von den Wänden verdampft. Die Röntgenemission von Rand der Superblasen kann man deutlich im Bild erkennen.

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Endnote

[1] Die Bezeichnung bedeutet, dass dieses Objekt in einem Katalog von Sternen und Nebeln mit H-Alpha-Emmision in der Magellanschen Wolke enthalten ist, der im Jahr 1956 durch den amerikanischen Astronomen und Astronauten Karl Henize (1926-1993) zusammengestellt und veröffentlicht wurde. Der Buchstabe „N“ besagt dabei, dass es sich um einen Nebel handelt. Das Objekt wird häufig einfach N44 bezeichnet.


27. August 2012

Die Nacht senkt sich über den Paranal

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang auf dem Gipfel des Cerro Paranal beobachtet. Wenn die Atacama-Wüste ruhig in der Nacht versinkt, öffnen sich die leistungsstarken Augen vom Very Large Telescope der ESO. Mit diesem spektakulären 360°-Panorama können Sie sich den Anblick vorstellen, den Sie nahe am südlichen Rand der VLT-Plattform haben würden.

Im Vordergrund öffnet sich das vierte VLT-Hilfsteleskop (AT4). Zur Linken ist die Sonne gerade über dem Pazifischen Ozean untergegangen – wie üblich hinter Wolken unterhalb der Höhe des Paranals. Über dem Rest der Plattform sind die weiteren drei Hilfsteleskope vor den Schutzbauten der vier 8.2-Meter Hauptteleskope sichtbar. Die Residencia und andere Bauten des Basislagers sind in geringer Entfernung nahe des rechten Bildrands zu erkennen.

Wenn die Nacht beginnt, taucht man in tiefe Stille ein, selten unterbrochen durch den Wind oder die gleichmäßige Bewegung dieser riesigen Maschinen. Es ist schwer zu glauben, dass im VLT-Kontrollgebäude hohe Aktivität herrscht. Das Gebäude liegt am Berghang knapp unterhalb der Plattform in Richtung des Sonnenuntergangs. Dort beginnen Astronomen und Techniker die ersten Beobachtungen der Nacht.

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20. August 2012

Ein Laserleitstern streift das Firmament

Dieses atemberaubende Foto von Julien Girard zeigt einen hellen Laserstrahl, der zum Very Large Telescope (VLT) der ESO gehört, vor dem Nachthimmel über der chilenischen Atacama-Wüste. Weil der Laser während der 30-minütigen Belichtungszeit zum Ausgleich der Erddrehung bewegt wurde, erscheint der Strahl aufgefächert. Die Kamera, die das Bild aufgenommen hat, stand dagegen still, so dass die Sterne als Strichspuren abgebildet wurden, die besonders deutlich die unterschiedlichen Farben der Sterne zeigen.

Der Laser wird verwendet, um Natriumatome in 90 Kilometern Höhe zum Leuchten anzuregen und so in der Hochatmosphäre einen hellen Lichtpunkt – einen künstlichen Stern – zu erzeugen. Dieser sogenannte Laserleitstern wird dann als Referenz verwendet, um die Bildverschlechterungen durch die Einflüsse der Atmosphäre zu korrigieren. Dazu wird die Technik der sogenannten adaptiven Optik verwendet. Zwar können auch ausreichend helle echte Sterne als Referenz genommen werden, aber der Laserleitstern kann an jede gewünschte Stelle positioniert werden. Mit seiner Hilfe kann die adaptive Optik in viel mehr Himmelsbereichen eingesetzt werden.

Die vier großen Schutzbauten der 8,2-Meter-Hauptteleskope des VLT und dahinter das kleinere VLT Survey Telescope (VST) sind ebenfalls im Bild zu sehen. Julien arbeitet als Astronom für die ESO am VLT in Chile. In der Nacht, in der das hier gezeigte Foto aufgenommen wurde, unterstützte er Beobachtungen an dem VLT-Hauptteleskop auf der rechten Seite. Er nutzte die Gelegenheit, um seine Kamera aufzubauen, bevor er in den Kontrollraum zurückging und die VLT-Beobachtungen durchzuführen.

Die Bewegungen der Schutzbauten während der langen Belichtungszeit führen zu einem verwaschenen Eindruck. Ebenso sind schwache Lichtspuren zu erkennen, die von Personen stammen, die sich während der Belichtungszeit auf der Plattform zwischen den Teleskopen hin und her bewegt haben.

Julien hat dieses Foto in der „Your ESO Pictures“-Flickrgruppe veröffentlicht. Die besten Fotos aus dieser Gruppe werden regelmäßig für das Bild der Woche oder für unsere Bildergalerie ausgewählt. Als Teil des 50-jährigen Jubiläums der ESO freuen wir uns im Jahr 2012 besonders über historische Bilder mit Bezug zur ESO.

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13. August 2012

Orion schaut auf ALMA herunter

Hoch am chilenischen Nachthimmel wacht der Himmelsjäger Orion über den Antennen des Atacama Large Millimeter/submillimeter Arrays (ALMA). Mit seiner markanten Sanduhrform und den drei hellen Gürtelsternen in der Mitte ist das Sternbild leicht zu erkennen. Das Schwert des Orion beherbergt eine der atemberaubendsten Objekte des Nachthimmels – den Orionnebel, der den mittleren „Stern“ des Schwerts bildet. Unter guten Beobachtungsbedingungen ist er mit bloßem Auge als unscharfes Nebelfleckchen sichtbar.

Die drei im Bild sichtbaren Antennen repräsentieren nur einen kleinen Teil des vollständigen ALMA-Antennenfeldes, das aus insgesamt 66 Antennen besteht. Mithilfe der Technik der Interferometrie vereinigt ALMA die Signale aller Antennen, die bis zu 16 Kilometer voneinander entfernt stehen können, zu einem riesigen einzelnen Teleskop. Die Anlage wird bis zum Jahr 2013 fertiggestellt sein, erste wissenschaftliche Beobachtungen mit einem Teil des Antennenfeldes laufen seit Ende 2011.

Das Chajnantor-Plateau auf 5000 Metern Höhe in den Gebirgsausläufern der chilenischen Anden ist eine der trockensten Gebiete der Welt und garantiert ALMA herausragende Beobachtungsbedingungen. Ein hoher und trockener Beobachtungsort wie Chajnantor ist notwendig, weil Wasserdampf und Sauerstoff der Erdatmosphäre die Millimeter- und Submillimeterwellenlängen des Lichts, für deren Beobachtung ALMA entwickelt wurde, stark absorbieren.

Auf diesem Foto werden die Antennen an der Operation Support Facility von ALMA, die auf einer Höhe von 2900 Metern liegt, überprüft. Einmal getestet und vollständig ausgerüstet, werden sie auf das Chajnantor-Plateau transportiert, um dort ihre Arbeit aufzunehmen.

Dieses Foto wurde von Adrian Russell aufgenommen, der das Foto in der "Your ESO Pictures"-Flickrgruppe veröffentlichte. Flickr wird regelmäßig überprüft, um die schönsten Bilder als Bild der Woche oder in unseren Bildergalerien zu veröffentlichen. Im Jahr 2012 sind als Teil des 50-jährigen Jubiläums der ESO auch historische Aufnahmen mit ESO-Bezug willkommen.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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6. August 2012

Von einer Schotterpiste zum weltweit führenden Observatorium

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Dieses Bildpaar zeigt den Blick von der Zufahrt zum Gelände des Paranal-Observatoriums im Norden Chiles in Richtung auf den Gipfel des Cerro Paranal 1987 und heute.

Erstmals hat ein Team inklusive des damaligen ESO-Generaldirektors Lodewijk Wolter im Jahr 1983 die Region um den Cerro Paranal als möglichen Standort für das damals noch zukünftige Very Large Telescope (VLT) untersucht (siehe The Messenger, Nr. 64, Seite 5–8 für weitere Informationen). 1987 wurde eine Schotterpiste zum Gipfel gebaut und eine permanente Station zur Prüfung der Beobachtungsbedingungen eingerichtet.

Die Testergebnisse waren extrem gut – die Bedingungen waren deutlich besser als am La Silla-Observatorium der ESO oder anderen damals untersuchten Standorten. Sie führten zu der Entscheidung, das VLT auf dem Paranal zu errichten, was der ESO-Council im Dezember 1990 dann beschloss (siehe eso9015).

Auf dem Paranal hat sich in den 25 Jahren seit der Aufnahme des historischen Fotos viel verändert. Der Berggipfel wurde eingeebnet, eine asphaltierte Straße wurde gebaut und es wurden natürlich die Teleskope des Observatoriums errichtet. Das vollständige und voll funktionsfähige Observatorium ist in der heutigen Aufnahme zu sehen. Auf dem Gipfel stehen jetzt die vier 8,2-Meter-Hauptteleskope zusammen mit den vier kleineren 1,8-Meter-Hilfsteleskopen, die für Interferometrie benutzt werden, ebenso sowie das 2,6-Meter-VLT Survey Telescope. Im Eingangsbereich sind viele Gebäude errichtet worden, die das Basislager des Observatoriums bilden. Für einen Blick in die entgegengesetzte Richtung vom Berggipfel über das Basislager siehe das frühere Bild der Woche potw1230.

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30. Juli 2012

Roter Kokon beherbergt junge Sterne

Auf der Erde werden Kokons mit neuem Leben assoziiert. Im Weltall gibt es ebenfalls Kokons, aber anstatt Schmetterlingspuppen während der Umwandlung zum Falter zu beherbergen, sind es die Geburtsstätten neuer Sterne.

Die auf diesem Bild sichtbare rote Wolke, aufgenommen mit dem EFOSC2-Instrument am New Technology Telescope der ESO, ist ein perfektes Beispiel einer dieser Sternentstehungsregionen. Dies ist eine Ansicht auf eine Wolke mit dem Namen RCW 88, die zehntausend Lichtjahre von der Erde entfernt liegt und einen Durchmesser von ungefähr 9 Lichtjahren hat. Sie ist nicht wie die Schmetterlingskokons aus Seide, sondern aus leuchtendem Wasserstoffgas, das die jüngst gebildeten Sterne umgibt. Die neuen Sterne bilden sich aus den Wasserstoffwolken, wenn sie unter dem Einfluss ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren. Einige der weiter entwickelten, bereits hell leuchtenden Sterne sind bereits durch die Wolke sichtbar.

Diese jungen Sterne sind sehr leuchtkräftig und geben große Mengen ultravioletter Strahlung ab, die im Wolkengas die Elektronen von den wasserstoffatomen trennt. Zurück bleibt der positiv geladene Kern – Protonen. Wenn die Protonen die Elektronen wieder einfangen, können sie H-alpha-Strahlung mit einem charakteristischen roten Leuchten emittieren.

Die Beobachtung des Himmels mit einem H-alpha-Filter ist für Astronomen der einfachste Weg zum Auffinden von Sternentstehungsregionen. Ein die Wellenlänge von H-alpha abdeckender Filter wurde für eine der vier Aufnahmen verwendet, aus denen dieses Bild erstellt wurde.


23. Juli 2012

Das Paranal-Basiscamp von oben

Blickt man vom Aussichtspunkt am Very Large Telescope der ESO auf dem Cerro Paranal in der chilenischen Atacamawüste nach unten, breitet sich dort unterhalb das Basiscamp des Observatoriums aus. Die Paranal Residencia, ein sicherer Hafen für diejenigen die auf dem Berg arbeiten, kann nahe der Bildmitte an der Kuppel auf dem Dach erkannt werden. Links der Residencia auf der anderen Straßenseite liegt die Sporthalle des Basiscamps. Noch weiter links liegt das Mirror Maintenance Building (MMB), dort werden die riesigen VLT-Spiegel regelmäßig gereinigt und neu beschichtet. Hinter dem MMB liegt das Kraftwerk und noch weiter links ist das mechanische Werkstattgebäude sichtbar. Am Berghang im Vordergrund windet sich der „Star Track“ oder Sternenpfad den Hang hinauf, ein Fußweg von der Residencia zum Berggipfel.

Der Sonnenuntergang lag zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Fotos etwa eine Viertelstunde zurück und hat das Basiscamp in wunderschönem orangefarbenem Licht zurückgelassen. Dieses Zwielicht erzeugt zarte Schatten, die den Hügeln große Tiefe aufprägt. Solch eine Aussicht kann nur in den sogenannten „goldenen Stunden“ vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang beobachtet werden, direktes Sonnenlicht während des Tages resultiert in nicht verzeihenden Lichtkontrasten.

Diese Panoramaaufnahme stammt von ESO-Fotobotschafter Gerhard Hüdepohl.

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16. Juli 2012

Eine ALMA-Antenne auf Reisen

Diese Aufnahme zeigt eine der europäischen 12-Meter-Antennen des Atacama Large Millimeter/submillimeterArrays (ALMA), wie sie gerade an der Operations Support Facility (OSF) versetzt wird. Nachdem das Foto aufgenommen wurde, wurden diese und andere Antennen für wissenschaftliche Beobachtungen mit einem Teil des Antennenfelds in Betrieb genommen (siehe eso1137). Am Donnerstag, dem 12. Juli 2012 endete die Frist zur Einreichung von Anträgen für ALMAs nächste Beobachtungssaison. Über 1100 Beobachtungsanträge wurden von Astronomen in der ganzen Welt angenommen.

ALMA führt seine Beobachtungen auf dem Chajnantor-Plateau auf einer Höhe von 5000 Metern durch. Wenn die Anlage vollständig ist, wird ALMA aus einem Feld von 66 Präzisionsantennen mit 12 und 7 Metern Durchmesser bestehen. Sie können bis zu Abständen von 16 Kilometern auseinanderstehen und arbeiten als ein einziges Teleskop  bei Wellenlängen von 0,32 und 3,6 Millimetern. Über die Hälfte der 66 Antennen befinden sich bereits auf Chajnantor (siehe ann12035). Fünfundzwanzig der ALMA-Antennen werden von der ESO auf Basis eines Vertrags mit dem europäischen AEM-Konsortium ausgeliefert, 25 Antennen werden durch Nordamerika geliefert und 16 durch Ostasien.

Die Antennen - jede wiegt ungefähr 100 Tonnen - werden an der OSF  zusammengebaut und  getestet. Die OSF-Anlage liegt 2900 Meter hoch in den chilenischen Anden. Von hier aus werden die Antennen mit Hilfe zweier speziell entwickelter ALMA-Antennentransporter – riesiger Fahrzeuge, die auf 28 Rädern fahren, 10 Meter breit, 20 Meter lang und 6 Meter hoch sind und mit der Leistung zweier Formel-1-Rennwagen fahren - zum Chajnantor-Plateau auf 5000 Meter über dem Meeresspiegel gebracht. Einer dieser Transporter mit Namen Otto ist auf diesem Foto abgebildet, das bei der Übergabe der ersten europäischen Antenne an das Observatorium im April 2011 gemacht wurde.


9. Juli 2012

Eine Nachbearbeitung des Katzenpfotennebels

Der Katzenpfotennebel wurde als Kombination von Aufnahmen des MPG/ESO 2.2-Meter Teleskops und der erfahrenen Amateurastronomen Robert Gendler und Ryan M. Hannahoe neu aufgelegt. Die charakteristische Form des Nebels enthüllen die rötlichen, verwaschenen Wolken von leuchtendem Gas vor einem dunklen, mit Sternen übersäten Himmel.  

Das Bild entstand durch die Kombination vorhandener Beobachtungen vom 2.2-Meter-MPG/ESO-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile (siehe ESO-Bildveröffentlichung eso1003) mit 60 Stunden Belichtungszeit an einem 0.4-Meter Teleskop, die von Gendler und Hannahoe aufgenommen wurden.

Die Auflösung (der Luminanzkanal oder die Helligkeitsinformation des Bildes) des 2.2-Meter-MPG/ESO-Teleskops wurde mit der Farbinformation des Gendler-und-Hannahoe-Bildes vereint und damit eine wunderschöne Kombination der Daten von Amateur- und Profiastronomen zu produziert. Zum Beispiel zeigt die zusätzliche Farbinformation den zarten bläulichen Nebel in der Zentralregion, der im Originalbild der ESO nicht sichtbar ist, während die ESO-Daten die feineren Details zeigen. Das Resultat ist ein Bild, das viel mehr als die Summe seiner Teile ist.

Der wohlbekannte Katzenpfotennebel (auch als NGC 6334 bekannt) liegt im Sternbild Skorpion. Obwohl er in der Nähe des Zentrums der Milchstraße am Himmel liegt, ist er der Erde relativ nahe, ungefähr in einem Abstand von 5500 Lichtjahren. Sein Durchmesser liegt bei ungefähr 50 Lichtjahren und es ist eine der aktivsten Sternentstehungsregionen in unserer Milchstraße. Er enthältviele junge und helle blaue Sterne, die sich in den letzten Millionen Jahren gebildet haben. Die Masse des Nebels genügt für vielleicht Zehntausende von Sternen, einige von Ihnen sind sichtbar und andere sind noch in den Gas- und Staubwolken verborgen.


2. Juli 2012

Eine Oase für Astronomen — die Paranal Residencia der ESO damals und heute

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Seit dem Februar 2002 (siehe eso0205) bietet die „Residencia“ am Paranal eine Unterkunft für Menschen, die am Observatorium im Schichtbetrieb arbeiten. Der Paranal in Chiles Atacama-Wüste ist die Heimat vom Very Large Telescope (VLT) der ESO. In diesem Monat geben die „Damals und heute“-Aufnahmen – beide von ESO-Fotobotschafter Gerhard Hüdepohl aufgenommen – einen einmaligen Blick darauf, wie diese Oase in der Wüste gebaut wurde.

Die historische Aufnahme zeigt die Residencia während der Bauphase gegen Ende des Jahres 2000. Das Gebäude wurde vom deutschen Architekturbüro Auer+Weber entworfen und basiert auf einer unterirdischen L-Form. Das Baumaterial hat die gleiche Farbe wie die Wüste und integriert sich damit vollständig in die Landschaft. Der schon teilweise fertiggestellte zentrale Bereich der Residencia erinnert an ein Amphitheater aus aufgestapeltem Naturstein, das den Blick zu einem wolkenlosen Himmel öffnet.

Heute sieht die Residencia völlig anders aus. Trotz der unterirdischen Bauweise erzeugt das unverwechselbare Design der Innengestaltung einen Eindruck von einem offenem Raum. Die zentrale Halle ist von einer 35 Meter durchmessenden Kuppel geschützt, die natürliches Tageslicht in das Gebäude leitet. Das sterile Amphitheater aus dem Jahr 2000 ist als großartiger tropischer Garten mit einem Schwimmbecken im unteren Bereich neu angelegt. Sowohl der Garten als auch das Schwimmbecken erhöhen die Luftfeuchte im Gebäudeinneren und gestatten den Beschäftigten eine Erholung von den extrem wasserarmen äußeren Bedingungen an einem der trockensten Orte der Erde.

Dank des unverwechselbaren Designs der Residencia ist sie weit über die Grenzen der astronomischen Gemeinschaft hinaus berühmt. Zum Beispiel wurden hier im Jahr 2008 einige Schlüsselszenen zu dem James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ gedreht, die Residencia spielt die Rolle des Hotels „Perla de las Dunas“ [1], 2009 wurde die Residencia vom britischen Guardian zu den 10 Top-Gebäuden des Jahrzehnts ausgewählt (siehe ann0940), und im Jahr 2012 wurde das Paranal-Observatorium inklusive der Residencia in der Land-Rover Werbekampagne „Perfect Places“ gezeigt (siehe ann12008).

Endnote

[1] Weitere Informationen zu James Bond am Paranal unter eso0807, eso0838 und http://www.eso.org/public/outreach/bond/BondatParanal.html

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25. Juni 2012

Mars, 2099?

In einer kalten, dunklen Nacht auf dem Mars inmitten einer trockenen Wüste, windet sich eine schmale Straße mit künstlicher Beleuchtung zu einem einsamen Außenposten auf den Gipfel eines alten Berges. Das zumindest könnte ein Science-Fiction-Fan anhand dieserunwriklichen Ansicht vorstellen.

Das Foto zeigt in Wirklichkeit das Paranal-Observatorium, die Heimat des Very Large Telescopes (VLT) und auf der Erde. Gleichwohl fällt es leicht, sich das Bild als einen zukünftigen Blick auf den Mars vorzustellen, vielleicht am Ende dieses Jahrhunderts. Aus diesem Grund hat Julien Girard, der das Bild aufgenommen hat, es “Mars 2099“ benannt.

In 2600 Metern Höhe gelegen befindet sich das Paranal-Observatorium in einer der trockensten und verlassendsten Gegenden der Erde in der chilenischen Atacama-Wüste. Die Landschaft ist so marsähnlich, dass die European Space Agency (ESA) und die NASA in dieser Region ihre Marsrover testen. Beispielsweise testete vor kurzem ein ESA-Team den selbsttätig lenkenden Seeker-Roboter, wie in ann12048 beschrieben.

Dieses Bild wurde in der Dämmerung vom benachbarten Gipfel des VISTA-Durchmusterungsteleskops in Richtung des VLTs blickend aufgenommen. In Richtung Westen liegt der Pazifik, nur etwa 12 Kilometer vom Paranal entfernt. Aufsteigend vom Gipfel des Paranal erkennt man die Milchstraße mit dem markantesten Sternbild des Südhimmels – dem Kreuz des Südens.

Auf dem Paranal kann der Himmel in mondlosen Nächten so klar und dunkel sein, dass das Licht der Milchstraße ausreicht, um Schatten zu werfen. Aus diesem Grund hat die ESO den Berg als Standort für das VLT ausgewählt. Das Observatorium profitiert daher von den besten Beobachtungsbedingungen auf der Welt.

Julien Girard ist ein ESO-Astronom in Chile und arbeitet am VLT. Diese Aufnahme hat er in der Your ESO Pictures Flickrgruppe veröffentlicht. Die Flickrgruppe wird regelmäßig geprüft und die besten Bilder werden für das Bild der Woche oder für die Bildergalerien ausgewählt. Im Jahr 2012 sind als Teil des 50-jährigen Jubiläums der ESO auch historische Bilder mit ESO-Bezug willkommen.

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18. Juni 2012

Yepuns Laser und die Magellanschen Wolken

Einer der größten Feinde der Astronomen ist die Erdatmosphäre, die himmlische Objekte verwaschen erscheinen lässt, wenn man sie mit bodengebundenen Teleskopen beobachtet. Um dem entgegenzuwirken, benutzen Astronomen eine Technik namens adaptive Optik, bei der computergesteuerte Spiegel mehrere hundert mal pro Sekunde verformt werden, um die Verzerrungen der Erdatmosphäre auszugleichen.

Dieses spektakuläre Bild zeigt wie von Yepun [1], dem vierten der 8,2-Meter-Hauptteleskope des Very Large Telescope der ESO, ein leistungsstarker Laserstrahl in den Himmel „geschossen“ wird. Der Strahl erzeugt durch Anregung von Natriumatomen in einer Atmosphärenschicht in 90 km Höhe einen leuchtenden Fleck in der Erdatmosphäre – einen künstlichen Stern. Dieser Laserleitstern ist Teil des Systems adaptiver Optik des VLT. Das vom künstlichen Stern zurückkommende Licht wird als Referenz zur Kontrolle der deformierbaren Spiegel genutzt. Damit kann der Effekt der atmosphärischen Verzerrungen eliminiert werden und Bilder so scharf als ob das Teleskop im Weltraum positioniert wäre, können somit erzeugt werden.

Yepuns Laser ist nicht das einzige, was am Himmel erscheint. Die Großen und Kleinen Magellanschen Wolken sind jeweils rechts und links des Laserstrahls sichtbar. Diese benachbarten, irregulären Galaxien sind markante Objekte der südlichen Hemisphäre und können leicht mit bloßem Auge gesehen werden. Der besonders helle Stern zur Linken der Großen Magellanschen Wolke ist Canopus, der hellste Stern im Sternbild Schiffskiel, während der Stern oben rechts Achernar ist, der hellste Stern im Sternbild Eridanus.

Diese Bild wurde von Babak Tafreshi aufgenommen, einem der ESO-Fotobotschafter.

Endnote

[1] Die vier Hauptteleskope des VLT sind nach himmlischen Objekten in der einheimischen Mapuche-Sprache Mapudungun benannt. Die vier Arbeitsteleskope (Unit Telescopes oder kurz UTs) heißen: Antu (Sonne), Kueyen (Mond), Melipal (Südliches Kreuz) und Yepun (Venus).

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11. Juni 2012

Kaskadierende Milchstraße

Viele astronomische Aufnahmen fangen beeindruckende Ansichten des Himmels ein, und diese macht keine Ausnahme. Trotzdem gibt es etwas Ungewöhnliches auf diesem Panorama: Hinter dem Very Large Telescope (VLT) der ESO scheinen zwei Ströme von Sternen wie Wasserfälle herabzurieseln oder auch wie Rauchzeichen zum Himmel aufzusteigen. Der Grund ist, dass dieses Panorama den gesamten Himmel erfasst, vom Zenit zum Horizont, also ein vollständiges 360° Panorama. Die zwei „Ströme“ sind in Wahrheit ein einzelnes Lichtband: die Ebene unserer Galaxis, der Milchstraße, wie sie ihren Bogen über den ganzen oberen Bildrand von Horizont zu Horizont aufspannt. Sobald sie über den über den Zenit hinausläuft, scheint sie sich durch die notwendige Verzerrung der Himmelskuppel zur Darstellung als flaches, rechteckiges Bild über den gesamten oberen Bildrand auszubreiten.

Um das Bild zu verstehen, stellen Sie sich vor, dass der linke Bildrand mit dem rechten Bildrand verbunden wäre und einen Ring um die eigene Position bildet. Der obere Bildrand wird dabei zu einem Punkt genau über dem Kopf zusammengezogen. So umspannt die Aufnahme die gesamte Himmelskuppel über Ihnen.

Auf der linken Seite des Bildes erkennt man die Silhouette des Windsacks vom Observatorium am Mast oberhalb des Gebäudes. Links des Windsacks sieht man den hellen Fleck der Kleinen Magellanschen Wolke, einer Nachbargalaxis der Milchstraße. Zur Rechten fällt in der Ebene der Milchstraße ist das rötliche Leuchten des Carinanebels auf. Darüber in der Dunkelheit des sogenannten Kohlensacks nahe am Kreuz des Südens, allerdings etwas höher, liegen die zwei Sterne: alpha und beta Centauri. Die vier gedrungenen Gebäude im Bild beherbergen die 8,2-Meter Hauptteleskope (Unit Telescopes oder kurz UTs) des VLT. Zwischen den zwei Hauptteleskopen auf der rechten Seite steht der Schutzbau des VLT Survey Telescopes. Auf der rechten Bildseite zeigt sich die Venus knapp oberhalb des Horizonts.

Dieses Panorama von ESO-Fotobotschafter Serge Brunier zeigt nicht nur das VLT auf dem Gipfel des Cerro Paranals, sondern auch den wunderschönen Himmel, den das Observatorium beobachtet. So wie die hochmoderne Technologie des VLTs unsere Ansichten des Universums erweitert, hat Serge sein bildbearbeiterisches Können genutzt, um die gesamte Himmelskugel in einem Bild festzuhalten – weit mehr als unsere Augen in einer einzelnen Ansicht sehen können.

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